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18.09.2008

Finanzwelt spielt verrückt

Der Kapitalismus muss ersetzt werden durch eine internationale ökosoziale Marktwirtschaft.“ Angesichts der Turbulenzen auf den weltweiten Finanzplätzen mit dem Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen und einer gigantischen Geldvernichtung mag diese Forderung für manchen verunsicherten Aktionär, Sparer oder freigesetzten Beschäftigten ein überlegenswertes Thema sein. Nein, die Reform des Kapitalismus hin zu einem ökosozialen Gebilde wird nicht etwa von der Galionsfigur der Linken, Oskar Lafontaine, gefordert. Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler äußerte diesen Gedanken bereits im April am Rotteck-Gymnasium in Freiburg – durchaus zu Recht.

Systemabsturz

Angesichts der weltweiten Verwerfungen ist Geißlers provokante und zugleich vorausschauende Aussage nicht von der Hand zu weisen: Ein Wirtschaftssystem, in dem wegen eines Prozentpunktes mehr oder weniger Gewinn gleich Hunderte von Jobs gestrichen werden, wo – wie in China geschehen – Kleinkinder des reinen Profits wegen wissentlich vergiftet werden, wo in Vorstands- und Aufsichtsratsetagen nur noch die Selbstbedienung zu Lasten der Mitarbeiter vorherrscht, wo hochbezahlte Banker in blinder Gier jedes noch so hochriskante Geschäft eingehen – ein solches System bedarf der tiefgreifenden Überprüfung und Regulierung.

Nachdem die Notenbanken jetzt mit einer Mammut-Stütze für vorläufige Beruhigung gesorgt haben, muss klar sein: Ein bloßes „weiter so“ führt früher oder später in den Systemabsturz.