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08.04.2008

Flash-Phönix

Mut zur Wut – dazu habe ich vergangene Woche an dieser Stelle aufgerufen. Wut erfordert nun keinen Mut mehr. Zumindest nicht diese Wut. Die Wut auf feige Verwirrte, die nachts Feuer legen und damit Feiern verlegen – in die ungewisse Zukunft.


Es wären zig Busse aus der Schweiz angerollt, man rechnete mit bis zu 1500 Gästen am Freitag im „Flash Musicpalace“. Ein Techno-Feuerwerk wäre abgebrannt. Durch Brandstiftung – davon geht die Kripo aus – ist stattdessen die Disco ausgebrannt. Und mit ihr der Gestaltungswille Hunderter junger Menschen, die viel Zeit, Geld und Kreativität in ihre Garderobe für das verrückte Verkleidungs-Festival „Private Fiction“ gesteckt haben. Deren private Fiktionen von Verwandlung gemäß dem Motto „Punk‘s not dead“ wurden angesteckt, bevor sie sich nur einen bunten Button anstecken konnten. Deren zündende modische Ideen – angezündet. Deren Kreativität ging in Feuer-Rauch auf, wo sie im Feier-Rausch aufgehen sollte.
Was übrig blieb, war Asche.

Szeneapplaus.  Die Betreiber haben ehrgeizige Pläne, wollen am 2. Mai wieder eröffnen. Das verwüstete Innere soll bis dahin saniert sein – koste es, was es wolle. Eine solche Verwandlung klingt wenig realistisch, wie eine private Fiktion der besonderen Art. Doch: Bewahrheitet sich diese, so könnte die Großraumdiscothek reifen zu einer modernen Interpretation jenes mythologischen Stoffes vom Vogel, der verbrennt, um aus der Asche zu steigen. Ein Flash-Phönix.
Man darf sich wünschen, dass es so kommt. Liebes Flash, lass‘ Ruß und Rauch schnell hinter dir. Auf dass „Private Fiction“ bald schon nachgeholt wird. Auf dass die Emotionen junger Besucher höher denn je kochen. Spätestens dann nämlich haben sie sich auch noch die Finger verbrannt – die hirnverbrannten Brandstifter. Letztere haben vielleicht ein paar Bars angekokelt, doch das Herz des „Flash“ scheint nicht betroffen, nicht gebrochen. Es ist aus Marmor.

Szenewechsel. Dieser Tage darf der Studentenclub „plus+“ das beste Booking weit und breit für sich verbuchen. Am Freitag, 18. April, hat man sich an der St.-Georgen-Steige die Dienste des britischen DJ-Duos „Phats & Small“ gesichert. In einem Anflug von Frühlingsgefühlen – ausgelöst durch Vorfreude auf großartigste elektronische Musik – darf man jauchzen: „Das wird total verschallert!“ Auf deutsch: voll knorke. Also: richtig super. Ich wäre auch gerne da. Nur leider wartet Sven auf mich. Sven Väth. Im „Cocoon“.