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02.05.2009

Folge vom 02.05.09

Es lässt sich nicht leugnen, dass ich vergangene Woche eine deftige Niederlage einstecken musste. Die Schmach vom Gartencenter. Vielleicht mögen Sie sich erinnern: Ich wollte einen röhrenden, stinkenden Turbo-Benzinrasenmäher und kam mit einem hutzeligen Elektromäher nach Hause. Als Tiger gestartet, als Bettvorleger gelandet.

Nun muss ich zugeben, dass Aurélies Veto („Ein Luxus-Benzin-Rasenmäher? Du bist wohl mit dem Hirn unter die Klingen gekommen! Das ist völlig indiskutabel!! Brauchen wir nicht!!! Kaufen wir nicht!!!!“) im Ton zwar etwas hart, in der Sache aber nicht ganz unbegründet war. Denn unser Garten ist nicht gerade groß. Genau genommen ist er so klein, dass ich nicht einmal den Versuch unternommen habe, Aurélie von der Notwendigkeit eines Rasenmähertraktors zu überzeugen, auf dem ich durch unser florales Kleinod hätte brettern können. Wenn's hochkommt, nennen wir etwa 50 Quadratmeter Rasen unser Eigen. Jeder normale Mensch würde in so einem Fall zum Elektromäher raten, wenn nicht gar zum Handmäher, der nur von der eigenen Körperkraft angetrieben wird.

So weit, so logisch. Aber ich bin ein Mann und will nicht logisch denken, wenn es darum geht, Arbeit und technischen Schnickschnack zu verbinden. Also übte ich mich nach dem Mähereinkauf noch ein wenig darin, beleidigt zu sein und mit missmutiger Miene den neuen Grasschneider zusammenzubauen. Das gelang mir erstaunlicherweise unfallfrei und auf Anhieb, ruckzuck war mein kleiner Elektro-Racker startbereit. Ich jedoch war es nicht.

Schließlich musste ich damit rechnen, von der Nachbarschaft beobachtet zu werden. Elektrisch Rasen mähen geht ja eigentlich gar nicht. Ob ich mich hinter einer Maske verstecken sollte? Oder Frauenkleider anziehen? Ich beschloss, nichts dergleichen zu tun, sondern zu meiner Neuerwerbung zu stehen.

Also ließ ich den sogenannten Motor an und wagte die ersten Schritte. Dazu muss man sagen, dass ich noch nie in meinem Leben Rasen gemäht hatte. Traurig, aber wahr. Hoffentlich würde ich nichts falsch machen. Tiefe Kerben ins Gras ziehen oder so. Nur Mut, sagte ich mir und legte beherzt los.

Der Motor surrte leise und gleichmäßig. Lächerlich. Und trotzdem zu laut für Hund Samson und Kater Luigi, die sich gerade auf dem Rasen breitgemacht hatten und beim ersten Zucken des Motors entsetzt das Weite suchten. Elende Memmen.

Immerhin kamen sie bald zurück und näherten sich gleichermaßen vorsichtig wie neugierig dem kleinen Vehikel. Samson beschloss, dass das Mäherkabel ein prima Spielzeug ist, Luigi stimmte ihm fröhlich zu, und fortan trieben die beiden allerhand Schabernack mit der Stromschnur. Bis ich sie verjagte, um in Ruhe meiner Arbeit nachzugehen.

Gut, das Surren war schon sehr mädchenhaft, die Geruchslosigkeit entnervend und unmännlich. Aber immerhin: Ich mähte! Zog eisern meine Bahnen, vor und zurück, beobachtete glücklich, wie das abgesäbelte Gras in den Grasauffangsack wirbelte und den Odem des Todes hauchte. Ich hatte es besiegt. Wir hatten es besiegt, mein Elektrofreund und ich. Ein tolles Team. Unbezwingbar. Wie Winnetou und Old Shatterhand. Sympathisch. Gutaussehend. Gerecht. Heldenhaft mähten wir uns dem Sonnenuntergang entgegen.

Bis Samson das Kabel durchbiss.