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02.08.2008

Folge vom 02.08.08

Ist das nun viel oder nicht? 29 Punkte. Das ist, wie so oft, reine Ansichtssache. Oder, um im Bild zu bleiben, eine Frage des Standpunkts. Dieser Text zum Beispiel wird sicherlich mehr als 29 Sätze haben. Da wären 29 Punkte eindeutig zu wenig, denn jeder Satz will angemessen beendet sein. Und das funktioniert im Normalfall weder mit einem Frage- noch mit einem Ausrufezeichen, sondern eben mit einem Punkt. Punkt!

Wenn es um die Rettung der Menschheit geht, darum, die Ärmsten aus ihrer Armut zu holen, den Klimawandel zu stoppen, Männern beizubringen, zwei Dinge gleichzeitig zu tun und Frauen einen halbwegs akzeptablen Orientierungssinn zu verpassen – dann, ja dann wäre ein 29-Punkte-Plan vermutlich arg knapp bemessen und kaum ausreichend.
Noch schlimmer wäre es, eine Fußballmannschaft hätte am Ende der bald startenden Bundesligasaison nur 29 Punkte auf dem Konto. Uiuiui – das wäre der sichere Abstieg in die Niederungen der zweiten Liga, eine böse Sache, die in höchstem Maße traurig wäre für den betroffenen Club und dessen Fans.

Wir lernen also: 29 Punkte können ganz schön wenig sein.
Aber auch ganz schön viel. Denken wir ans Verkehrsregister in Flensburg, den Klassiker unter allen Punkteschrecken. Dort sind schon 18 Punkte zu viel – und 29 sind auch beim besten Willen nicht einmal erreichbar.

Es geht aber noch schlimmer: Wer je eine Gemeinderatssitzung mit 29 Tagesordnungspunkten überstanden hat, der weiß, wie grauenhaft es ist, solcherlei durchstehen zu müssen. Meistens sind schon zehn Themen mindestens acht zu viel. Dabei gilt: Je kleiner die Gemeinde, desto größer das Mitteilungsbedürfnis der Gemeinderäte.

Sie glauben, das wäre das ultimative 29-Punkte-Tief? Das Schlimmste, was einem widerfahren könnte? Der Horror in Zahlen?
Dann waren Sie nicht beim Grundschul-Abschlussfest von Toni. Ich war dort, und ein bisschen habe ich mich sogar gefreut. Denn ich wusste, dass die Eltern für ein feines Buffet sorgen sollten, erlesene Speisen würden das Fest begleiten und nach und nach in meinen Bauch wandern. Eltern lassen sich bei Grundschul-Abschlussfesten gemeinhin nämlich nicht lumpen.

Als wir ankamen und unsere Tomaten mit Mozzarella und Basilikum zu den anderen fünf Tomaten-Mozzarella-Basilikum-Platten und unsere Hackfleischbällchen zu den anderen sieben Schüsseln mit Hackfleischbällchen stellten, war ich begeistert: Lachsröllchen, Teigtaschen, Schnitzelchen, Hähnchenkeulen, Gourmetsalate – es war alles geboten, was mein Herz begehrte. Und mein Magen, der verdächtig knurrte.

Das Fest begann um 18 Uhr und ich wartete begierig auf die Eröffnung des Buffets, das in einem Nebenraum aufgebaut war, aus dem verführerische Düfte in die Aula wanderten.
„Boah, habe ich einen Hunger“, raunte ich Aurélie zu. „Wann ist eigentlich die Buffeteröffnung geplant?“
Aurélie zuckte mit den Schultern. „Das kann dauern.“
„Wie? Dauern?“
„Erst kommen noch die Aufführungen der Kinder.“
Na gut, dachte ich, zwei, drei Lieder, das kann ja nicht lang dauern.
Drei Stunden später haben die Kinder immer noch gesungen und geschauspielert. Sie waren bei Programmpunkt 22.
Von insgesamt 29.