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06.04.2009

Folge vom 04.03.09

Immer wieder wird die überaus indiskrete Frage an mich herangetragen, ob ich nicht geneigt sei, noch eigenen Nachwuchs in diese mal mehr, mal weniger schöne Welt zu setzen. Mal davon abgesehen, dass ich rein physisch denkbar ungeeignet wäre, einen glitschigen Säugling ans Tageslicht zu befördern, sondern die schmerzhafte Angelegenheit Aurélie überlassen dürfte, lautet die Antwort: nein!

Darauf folgt natürlich sofort die Frage, warum ich dies nicht wolle. Das geht zwar niemanden etwas an, aber ich will mal nicht so sein und deshalb erlaube ich mir einige Anmerkungen zu diesem ach so heiklen Thema:

Generell sei gesagt, dass ich nichts, aber auch gar nichts gegen kleine Kinder, gegen Babys, gegen Säuglinge habe. Gut, sie schreien unentwegt, machen in die Windeln und müffeln dementsprechend, und wenn sie ein wenig älter sind, krabbeln oder kriechen oder schwanken sie durchs ganze Haus und bringen alles durcheinander, wenn sie nicht gerade die Treppe hinunterkullern.

Das alles ist nicht schlimm, wenn man den kleinen Gnom dann im Arm hält und er einen selig glucksend anlächelt. Ja, das weiß ich wohl. Trotzdem will ich keinen.

Denn erstens habe ich Toni, meine Stieftochter, die wie mein eigen Fleisch und Blut ist (okay, wenn sie Unsinn anstellt, rufe ich natürlich nach Aurélie und sage: „DEINE Tochter hat Unsinn angestellt“). Aber das würde ich auch sagen, wenn sie mein leibliches Kind wäre.

Und zweitens gibt es Leo. Die Geschichte mit Leo ist etwas für die Nostalgiker unter meinen Lesern, etwas für jene Menschen, die sich daran zu erinnern vermögen, dass es in meinem Leben mal eine Dame namens Sonja gab. Ja, genau. Sonja, meine Ex-Freundin. Jene Sonja, die jedes Frauenklischee aufs Trefflichste erfüllte, die immer rief, sie habe keine Kleider mehr im Schrank, die Döschen, Pillchen, Cremchen hortete und sich mit Freude auf Probierpackungen aus der Kosmetikindustrie stürzte.

Jene Sonja also ist Mutter geworden, vier Monate ist es nun her, dass der kleine Leo das Licht der Welt erblickte. Nun möge mancher einwenden, dass ich ja nun gar nichts damit zu tun habe, wenn Sonja Mutterfreuden genießt. Das stimmt aber nicht. Denn ich werde Patenonkel. Jedenfalls inoffiziell, denn offiziell lässt mich die Kirche nicht, mangels Kirchenzugehörigkeit. Ich vermute aber, dass das Leo ziemlich wurscht ist, Hauptsache ich kümmere mich um ihn, mache ihm Geschenke und bin ein netter Kerl, der ihn versteht, wenn er mit seiner Mutter Stress hat.

Klar, noch ist es nicht soweit, der kleine Racker kann ja noch nicht mal sprechen, nicht gehen, nicht krabbeln, sondern nur Bäuerchen machen und Hunger anmelden. Aber irgendwann wird er mich brauchen – und dann bin ich da.

Doch zurück in die nahe Zukunft: Die festliche Taufe wird im Juni begangen, und ich bin jetzt schon nervös. Wird Leo mich als seinen Patenonkel akzeptieren? Wird der Pfarrer versuchen, mich zu bekehren? Wird Samson die Feierlichkeiten bellend oder in die Kirche urinierend sabotieren?

Das sind wichtige Fragen. Fragen, die zeigen, dass ich mit einer leiblichen Vaterschaft überfordert wäre. Ich scheitere ja vor Aufregung schon fast am Patenonkelamt.

Wie gut, dass Leo das nicht mitbekommt. Sonst nähme er mich nicht ernst. Ich finde, es reicht, wenn wir beide mich nicht ernst nehmen, Sie und ich.