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02.10.2008

Folge vom 04.10.08

Bei Wikipedia findet man so ziemlich alles, was es in der großen, weiten Welt zu finden gibt. Weil das so ist, ging ich auf die Homepage des Internetlexikons und gab ein: Biberschwanzagam.

Und siehe da, es war zu lesen: „Es existiert kein Artikel mit dem Namen ‚biberschwanzagam‘.“ Dagegen lässt sich nicht viel sagen, wo kein Artikel ist, kann man auch keinen finden. Enttäuscht war ich trotzdem, denn ich weiß genau, dass es Biber-schwanzagame gibt. Ich habe nämlich welche gesehen.

Es waren zwei Stück, die meinen Weg gekreuzt hatten, zwei behände Echsen, die ich entdeckte. Die possierlichen Kollegen gehören zur Klasse der Reptilien, Überordnung Schuppenechsen, Ordnung Schuppenkriechtiere, Teilordnung Leguanartige, Familie Agamidae. Aber das wussten Sie sicher schon.

Nun begegnen einem die grünlichen Zeitgenossen nicht auf Schritt und Tritt. Um sie zu Gesicht zu bekommen, bedarf es schon herausragender Aufmerksamkeit, eines siebten Sinns für die Schätze der Fauna. Ein wahrer Naturbursche muss man sein, einer, der stets die Augen offenhält und der eine sensible Nase hat für die schöne, bunte Welt der Tiere.

Ja, wer Biberschwanzagame entdecken will, der muss schon aus besonderem Holz geschnitzt sein.
Oder ins Zoofachgeschäft gehen.
Toni und Aurélie hatten mich in eins gezerrt, gegen meinen Willen. Ich wollte ja nur in einen Lampenladen, um mich nach einer neuen Wohnzimmerleuchte umzusehen. Leider hatte ich nicht bedacht, dass ausgerechnet in unmittelbarer Nachbarschaft ein Zoofachgeschäft seine Pforten geöffnet hatte.

„Buddy, Buddy, ich will da rein, los komm. Bitttteeeee“, rief Toni. „Nein“, sagte ich. „Doch“, sagte Aurélie.
Und schon waren wir drin. Wir sahen uns Hundeleinen an, weil wir darüber nachdenken, uns einen Hund zuzulegen, und wir sahen uns Kratzbäume an, weil wir darüber nachdenken, uns eine Katze zuzulegen. Da gab es große Bäume, kleine Bäume, lange Leinen, kurze Leinen. Manche Leinen waren aus Leder, andere aus Kunststoff, die nächsten aus Metall, manche mit spitzen Zacken, andere mit Schultergurt. Faszinierend. Noch faszinierender waren nur die Hundekissen. Ich erwog, ein graues Kissen zu 199 Euro zu kaufen. „Ich erwäge, dieses graue Kissen zu 199 Euro für unseren zukünftigen Hund zu kaufen“, sagte ich zu Aurélie.

„Sonst geht's aber noch!? Der kriegt eine alte Decke und gut ist.“
„Na gut“, sagte ich und ließ mich weiterzerren, vorbei an Trockenfutter und Dosen voll würzigem Pansen, leckerem Thunfisch und zartem Rindfleisch.

Schließlich standen wir vor den Terrarien, in denen sich allerlei Kriechtiere tummelten. „Guck mal“, sagte ich, und deutete auf zwei Echsen, die sich den Freuden der körperlichen Lust hingaben.
„Was ist das?“, fragte Toni.
„Poppende Biberschwanzagame“, sagte ich.
„Spinnst du!?“, raunzte Aurélie mich an. „Wie redest du vor dem Kind?“
„Aber Mama“, sagte da die Toni, „ich weiß doch, was Poppen ist.“
„So? Was denn?“
„Na, die machen kleine Biberschwanzagemenbabys. Ist doch nett. Wieso macht ihr eigentlich kein Baby?“
„Tja“, sagte ich. „Was willst du? Hund und Katze oder ein Baby?“
„Okay, vergesst das mit dem Baby.“