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05.02.2010

Folge vom 05.02.09

Samson hat sich vergangene Woche sehr gefreut, es an dieser Stelle auch schriftlich garantiert zu bekommen: Er wird nicht kastriert. Das hat einen guten Grund. Nicht nur, dass ich beim puren Gedanken an den großen Schnitt selbst Schmerzen verspüre und es für völlig inhuman halte, den armen Kerl seiner Männlichkeit zu berauben, nein, wir haben noch Großes vor mit unserem Rüden: Samson soll Papa werden.

Jawoll, wir wollen dem Racker Gelegenheit geben, auch mal ran zu dürfen, und sich dabei sogleich um die Population der kleinen Elo-Familie verdient zu machen. Natürlich steht vorher noch eine Gesundheitsprüfung ins Haus und eine Wesensprüfung auch. Bei Letzterer muss Samson ganz brav sein, muss cool bleiben, wenn er am Kaninchengehege vorbeigeht. Keine Ahnung, ob er das schafft. Aber wenigstens hat er es selbst in der Pfote. Er sollte seine Chance nutzen.
Allein schon, weil nicht jedem diese Gelegenheit zur Befriedigung der eigenen Gelüste gegeben ist. Luigi zum Beispiel ist längst entmannt. Das mögen Sie nun inkonsequent nennen, mich des Messens mit zweierlei Maß bezichtigen, meinetwegen. Aber erstens war Luigi bereits kastriert, als wir ihn aus dem Tierheim befreit haben. Und zweitens hinterlassen unkastrierte Kater einen erbärmlichen Gestank, weil sie alles und jeden markieren. Davon abgesehen, dass ein vor Männlichkeit nur so strotzendes Katzenvieh sich allerlei Krankheiten bei der Vermehrung holt und obendrein im Zuge höchster Rolligkeit an nichts anderes mehr denkt als an die Begattung niedlicher Mietzis. Zumindest denkt es nicht an Autos, die seinen Weg kreuzen könnten. Nein, so ein Kater ist kastriert wesentlich besser dran. Auch wenn ich froh bin, dass ich Luigis Einschnitt ins Leben nicht miterleben musste.

Doch zurück zu Samson, unserem zukünftigen Zuchthengst. Wobei – so ganz sicher bin ich mir nicht, ob das wirklich was wird mit dem Kerl. Denn, ganz im Vertrauen, ich bin nicht überzeugt, ob er wirklich auf Mädels steht. Klar, er schnuppert an ihnen, spielt mit
ihnen, kuscht vor ihnen, da ist er wie ein Menschenmann. Aber: Er schnuppert auch an Rüden, spielt mit manchen und vor einigen kuscht er auch. Das allein wäre natürlich kein Grund, an Samsons Lust aufs Weibchen zu zweifeln. Mich treibt etwas anderes um: Wann immer Luigi durch die Katzenklappe in die Wohnung stolziert, marschiert er schnurstracks zu Samson und lässt sich vor ihm auf den Teppich fallen. Dann dreht er sich zur Seite und sieht seinen Gefährten liebevoll an.
Derart angespornt steht Samson auf und beschnuppert seinen Kumpel ausgiebig. So ausgiebig, dass Luigi sich alsbald auf den Rücken legt, alle viere von sich streckt und wartet.

Nämlich darauf, dass Samson weiterschnüffelt. Und zwar dort, wo sich einst Luigis Geschlecht breitgemacht hat. Beide haben sichtlich Vergnügen an ihrem Treiben. Was in mir den Verdacht hervorruft, eine schwule Wohngemeinschaft zu beherbergen. Da hätte ich mir auch gleich Bonobo-Affen holen können. Aber gut, ich bin da tolerant, jeder soll nach seinem Gusto glücklich werden. Nur: Wenn Samson uns, seine Halb-Eltern, nicht mit kleinen Elo-Kindern beglückt, dann werde ich echt sauer. Und muss die Sache mit der Kastration in einem ganz neuen Licht betrachten.