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06.09.2008

Folge vom 06.09.08

Der Tag war heiß, die Sonne stand hoch und knallgelb am Himmel, ihre Strahlen unbarmherzig auf die Erde peitschend. Sommer halt.

So ein Wetter ist schon okay. Passt schließlich zur Jahreszeit. Blöd nur, wenn man an einem solch hoch temperierten Tag beschließt, aus redaktionellen Gründen einen kleinen Spaziergang anzutreten. Recherche wird ja nicht überflüssig, nur weil das Thermometer sich bequemt, die 30-Grad-Marke deutlich zu überspringen.

Der Spaziergang unter sengender Sonne war also unumgänglich. Das erfüllte mich mit Sorge und so sagte ich zu meinen lieben Kollegen mit gespielter Leichtigkeit: „Ich gehe jetzt spazieren und hole mir einen Sonnenstich.“

Tatsächlich machte ich mir ernsthaft Sorgen um meine körperliche Unversehrtheit. Mein Kopf ist dünner besiedelt als Mecklenburg-Vorpommern, Haare lassen sich nur höchst spärlich nieder und wenn, dann verweigern sie das Wachstum. Vielmehr siechen sie dünn vor sich hin. Nicht schön, aber zu verkraften.

Allerdings dient die derart ausgedünnte natürliche Kopfbedeckung kaum noch ihrem ursprünglichen Zweck, nämlich dem Schutz vor allerlei Wetter-Ungemach. Und schon gar nicht hilft es gegen der Sonne Kraft.
Mich dünkte also, dass ich im Begriff war, mich ungeschützt den Launen der Natur auszusetzen, weshalb ich mich mit jenem oben erwähnten Hilfeschrei an die Kollegenschar um mich herum wandte.

Ich erhoffte mir, dass vielleicht eine der Damen ein neckisches Sonnenschirmchen aus den Tiefen ihrer Handtasche kramen und mir reichen würde. Oder einer der Herren mir mit gönnerhafter Geste ein frischgewaschenes Käppi über den Schädel streifte.

Doch die Rasselbande blieb ungerührt vor ihren Monitoren sitzen, keine Regung des Mitleids, kein Zeichen des Verständnisses kam bei mir an. Stattdessen brummte die Klimaanlage mit enervierender Monotonie vor sich hin, 25 Grad im Schatten, prima Klima.
Ansonsten herrschte Ruhe.

„So ein Sonnenstich ist nicht schön“, sagte ich in die Stille. „Hatte ich mal. War schlimm.“
Reaktion? Keine!

Bis sich schließlich die Kollegin Frey erbarmte. Dachte ich es mir doch, schließlich hat sie immer ein offenes Ohr für das Leid der anderen.
Sie sagte: „Hier hast du 'ne Zeitung. Kannst dir ja ein Hütchen basteln.“
Na toll. Wie hilfreich. Und wie demütigend zugleich. Die schneidende Bemerkung der Kollegin erinnerte mich nämlich an meine Kindheit, die nun auch schon länger zurückliegt, als mir lieb sein kann. In jener Kindheit habe ich mehrfach versucht, aus Papier einen flotten Hut zu zaubern. Oder ein fliegendes Flugzeug.

Meine Flugzeuge stürzten immer ab. Und meine Hüte fielen in sich zusammen, sobald sie meinen Kopf auch nur berührten.
Das war natürlich frustrierend. Noch frustrierender war es, wenn ich im ZDF-Kinderferienprogramm die gerne vorgeführte Origami-Bastelei verfolgte und mir schon beim Zusehen schwindlig wurde. Ich habe immer entnervt umgeschaltet. Ach, ich will gar nicht länger daran denken. Es schmerzt.

Also zurück in die Gegenwart: Einen Sonnenstich habe ich bei meinem Spaziergang nicht bekommen. Dafür habe ich am Abend ein Papierflugzeug gebastelt. Es hatte einen Unfall.
Beim Start.