nach oben
07.02.2009

Folge vom 07.02.09

Eine mir gern gestellte Frage in diesen kalten Tagen, die nur durch viel Herzenswärme zu überstehen sind, ist diese: „Na, was für ein Tier schafft ihr euch als Nächstes an? Ein Pferd? Einen Papagei? Einen Alligator?“

Pflichtschuldig lache ich zu dieser Frage ein kurzes Lachen, schüttele den Kopf, rolle mit den Augen, als sei ich total entnervt angesichts der Tierflut in unserem Hause, und sage dann energisch: „Nix mehr, jetzt ist Schluss.“

Die Leute erwarten, dass ich entnervt mit den Auge rolle. Ich glaube, sie wollen, dass Hund Samson und Kater Luigi mein Leben zwar einerseits bereichern, es andererseits aber auch anstrengender machen, so anstrengend, dass ich nur noch entnervt mit den Augen rollen kann. Also tue ich ihnen den Gefallen, und alle sind froh.

Tatsächlich bin ich nicht entnervt, sondern immer noch hocherfreut über meine neuen Mitbewohner. Samson und Luigi sind zwei muntere Gesellen, der eine tapsig, der andere anmutig, beide verspielt und nicht mehr wegzudenken.

Und wenn alles gar so schön ist, dann könnte ja schon der Gedanke aufkommen, sich noch einen weiteren tierischen Begleiter zu holen. Oder zwei. Oder drei. Oder gleich einen Zoo zu gründen, zu eröffnen und damit reich zu werden.

Aber nichts dergleichen wird geschehen. Ich will kein Tier mehr. Kein Krokodil, kein Pferd, nicht einmal eine klitzekleine Hausmaus. Okay, eine Hausmaus vielleicht schon, dann hat Luigi was zu tun, ist glücklich, und um die Maus müssen wir uns nicht lange kümmern, weil ihr Dasein nur von kurzer Dauer wäre. Luigi ist nämlich ziemlich verfressen. Er ist so verfressen, dass wir ihn schon auf den Rücken gedreht haben, weil wir nachsehen wollten, ob in seinem Bauch nicht ein Loch prangt, aus dem herausfällt, was er vorne reingestopft hat. Aber da ist nichts. Kein Loch, nicht einmal ein kleines.

Dabei ist Luigi klein und schlank und zierlich und von eleganter Gestalt. Kein tumber, fetter Kater, der kaum noch aus den Augen sehen kann und dessen Bauch am Boden schleift. Ehrlich, wir haben keine Ahnung, wohin er das ganze Zeugs steckt, das er vertilgt.

Andererseits gilt es zu bedenken, dass mein Katerchen jeden Tag in der freien Natur unterwegs ist, auf der vorsichtigen Pirsch, die Welt mit wohl gesetzten Schritten neugierig erkundend. Bei so viel Aufregung kann man schon mal Hunger bekommen.

Und wenn er dann hoch erhobenen Hauptes durch die Terrassentür zurück ins Heim kommt, wartet schon Samson auf seinen Spielgefährten. Er jagt ihn hin, er jagt ihn her, es ist ihm eine Wonne. Und Luigi? Der legt sich auf den Boden, wedelt ein bisschen mit den Pfötchen und lässt den Hund gewähren. Wenn's ihm zu viel wird, steht er auf, stolziert in die Küche, in die Samson nicht darf, und verlangt lautstark sein Fressen.
Dann frisst er. Beobachtet von Samson, der gar nicht weiß, was ihn mehr ärgern soll: Dass Luigi frisst und er nicht. Oder dass Luigi frisst, anstatt mit ihm zu spielen. Wahrscheinlich beides. Die beiden sind schon ein drolliges Duo. Da braucht es keine weiteren Tiere. Das wäre nun wirklich Humbug. Dachte ich.

Bis gestern Toni kam und fragte: „Du, Buddy? Bekomm' ich einen Papagei? Und eine Schildkröte?“

Diesmal rollten meine Augen wie von selbst. Extrem entnervt.