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09.07.2010

Folge vom 09.07.10

Es ist gerade mal zwei Tage her, da saß ich am Abend im Garten und wusste nichts mit mir anzufangen. Die Fußball-WM hatte Pause, Deutschland hatte am Abend zuvor das Halbfinale gegen Spanien verloren und ich musste den ganzen Tag in leere Gesichter sehen. Die der Kollegen: leer. Die auf der Straße: leer. Das im Spiegel: leer.

Kein Wunder, dass ich nichts mit mir anzufangen wusste, bei so viel Leere. Selbst Aurélie, die sich immer damit gebrüstet hatte, sich nicht für Fußball zu interessieren, hatte das Spiel gegen die spanische Über-Elf verfolgt und am Ende mit einer Stimme, deren Tränenerstickungsgrad an den von Philipp Lahm erinnerte, verkündet: „Das finde ich jetzt schon blöd, dass die ausgeschieden sind. Hätten die nicht weiterkommen können?“

Ich schüttelte stumm den Kopf und betete innerlich, dass ich nicht gezwungen sein würde, mit meiner ahnungslosen Frau eine Diskussion über Fußball führen zu müssen. Zum Glück schien sie das geahnt zu haben, schwieg und sah mit verdächtig feucht glänzenden Augen auf den Fernseher, in dem traurige deutsche Nationalspieler Verlierer-Interviews geben mussten.

All das hatte ich also im Hinterkopf, als ich am Donnerstag Abend im Garten saß und gen dunkelblauen Himmel blickte. Von Zeit zu Zeit stand ich auf, schnappte mir einen kleinen Plastikball, mit dem Samson üblicherweise zu spielen pflegt, jonglierte die Kugel mit dem linken Fuß 20-, 30-, 40-mal in der Luft und stellte dabei bewundernd fest, dass ich immer noch über jede Menge Ballgefühl verfüge. Trotz hohen Alters, trotz hohen Gewichts, trotz hoher Bandscheibenschädigung.

Und während ich mich im Geiste selbst lobte, fiel mir ein, dass ich das viel zu selten mache. Mich selbst loben, meine ich. Meistens ist es doch so: Ich erzähle Geschichten, in denen ich am Ende schlecht wegkomme. Mal ist mir Aurélie über, mal Toni, an schlechten Tagen sogar Samson und Luigi. Das muss nicht sein.

Deshalb lobe ich mich nun. Gründe gibt es genug, das ist klar. Zum Beispiel bin ich ein großartiger Zugfahrer. Schaffe es meistens, pünktlich am Gleis zu sein, ergattere oft einen Sitzplatz in Fahrtrichtung. Das ist nicht einfach, das erfordert schon ein hohes Maß an Reaktionsgeschwindigkeit und Gefühl für den richtigen Moment. Ist aber für Außenstehende möglicherweise nicht sehr spektakulär.

Viel aufregender sind da meine jüngsten Erfolge in Sachen Fußball: Bei einem PZ-internen WM-Tippspiel habe ich mich gleich zu Beginn an die Spitze gesetzt und bin jetzt, zwei Spiele vor Schluss, nicht mehr einzuholen. Selbst die sogenannte Sportredaktion kann mich bestenfalls mit Ferngläsern erkennen, so weit bin ich entwischt. Gut, mein Triumph wird ein wenig dadurch geschmälert, dass der Kollege Klimanski – völlig unbeleckt, was Fußball betrifft – derzeit auf dem zweiten Platz liegt. Böse Zungen könnten behaupten, mein Erfolg sei ähnlich zufällig wie der des Kollegen Klimanski.

Aber: Bei einem anderen, ebenfalls PZ-internen Tipp habe ich vor der WM auf das Finale Niederlande gegen Spanien gesetzt. Und wer steht im Finale? Richtig! Spanien wird übrigens gewinnen, ich habe es prophezeit. Soll mir mal einer nachmachen.

Moment, ich erfahre soeben, dass der Kollege Klimanski – Sie wissen schon, der Unbeleckte – auf die gleiche Endspiel-Paarung getippt hat. Ausgerechnet. Wer genauso tippt wie der Klimanski, der darf sich nun wirklich nicht selbst loben.

Scheiß Woche, echt! Setze ich mich eben wieder in den Garten und starre ins Leere.