nach oben
08.08.2008

Folge vom 09.08.08

Im Baumarkt ist es wie im Urlaub in einem fernen Land, einer anderen Kultur: An jeder Ecke gibt es Unbekanntes, Spannendes, mitunter Gefährliches zu entdecken. Das habe ich jetzt herausgefunden.

Aurélie und ich tragen uns mit dem Gedanken, die eine oder andere Veränderung im häuslichen Leben vorzunehmen. Wer mich kennt, weiß, dass ich über keinerlei Talent zu handwerklichen Tätigkeiten verfüge. Aber das macht nichts, schließlich bin ich lernfähig und noch jung genug, mich zu neuen Ufern aufzumachen. Warum also nicht einfach mal mit Hilfe einer Bohrmaschine ein Loch in die Wand bohren?

Ich weiß, das ist wagemutig, höchst riskant, abenteuerlich gar. Danke für die Warnung. Aber ich denke, ich werde es trotzdem riskieren.
Leider fehlt mir dazu das nötige Werkzeug. Unser armseliger Drei-Personen-Haushalt verfügt nicht einmal über eine Bohrmaschine. Dafür über zwei Akkuschrauber, die beide nicht funktionieren.

Das ist nicht gut und für ambitionierte Heimwerker wie mich ein untragbarer Zustand. Und deshalb sagte ich zu Aurélie: „Eheweib, lass uns in den Baumarkt pilgern.“
„Was willst ausgerechnet DU im Baumarkt?“ Sie lachte. Mich aus, wie mir dünkte. „Lachst du mich aus?“
„Nur ein bisschen.“
„Warum?“
„Weil du nicht einmal einen Nagel von einer Schraube unterscheiden kannst. Im Baumarkt bist du völlig aufgeschmissen.“
„Bin ich nicht. Ich bin ein ambitionierter Heimwerker.“
Sie lachte wieder. Laut. Lange.

Aber sie begleitete mich in den Baumarkt. Es war großartig. Es gab Kugelgrills, Baugerüste, Parkettkleber, Nägel. Könnten auch Schrauben gewesen sein, wer weiß das schon so genau? Vor allem aber gab es Werkzeuge. Mächtige Werkzeuge. Werkzeuge, bei denen ich ernsthafte Zweifel hatte, ob ich sie überhaupt anheben könnte. „Schau mal“, flüsterte ich andächtig. „So viele Werkzeuge.“

„Ja“, seufzte Aurélie, und tätschelte mir den vor Aufregung roten Kopf.
Ich ließ meine Augen über all die tollen Geräte fliegen, über Bohrhammer, Akkuschrauber mit Li-Ionen-Akku, Pendelhub-Stichsägen.
Vor allem aber gab es ein tolles Ding, das auf einem Plakat angepriesen wurde. Auf dem Plakat stand: „Mit einer einzigen Maschine professionell sägen, schleifen, schaben, trennen, raspeln, polieren, schneiden und vieles mehr, nahezu unbegrenzte Anwendungsmöglichkeiten durch oszillierenden Bewegungsablauf.“

Ich sah Aurélie an. „Haben!“, rief ich begeistert.
„Vergiss es!“, sagte Aurélie.
„Warum?“, heulte ich.
„Du weißt ja gar nicht, was oszillierende Bewegungen sind“, sagte sie. Womit sie natürlich recht hatte. Sie zog mich weg von den Werkzeugen, hin zu den Farben und Tapeten.
„Wir brauchen einen neuen Anstrich“, verkündete Aurélie.
„Und wer soll streichen?“
„Du natürlich, du ambitionierter Super-Heimwerker.“
„Okay, aber dazu brauche ich das Ding mit den oszillierenden Bewegungen.“
„Brauchst du nicht!“
„Doch!“
„Nein!“
Ich kaufte das Ding nicht. Gestrichen hab ich aber auch nicht.
Sondern Aurélie.