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09.10.2009

Folge vom 09.10.09

Es ist schön, Freunde zu haben. Menschen wie Ralf. Ralf ist einer, der nie sagen würde, ich sei geizig. Ralf sagt: „Du bist ein sensationell guter Schnäppchenjäger. Unglaublich.“ Zu diesem Schluss kam Ralf vor einigen Jahren, als er mir an einem Mittwoch vorschlug, am Samstag nach München zu fahren, um dort dem Bundesligaspiel des FC Bayern gegen Werder Bremen beizuwohnen.

Außerdem, so Ralf, könnten wir in München übernachten, weil das schließlich eine schöne Stadt und mithin der richtige Rahmen für abendliche Vergnügungstouren sei. Jetzt gelte es eben nur, ein günstiges Hotel und vor allem bezahlbare Karten zu finden. Ich versprach, mich zu kümmern.

Also kümmerte ich mich. Suchte im Internet nach Super-Spezial-Online-Hotelraten. Und tatsächlich entdeckte ich ein Vier-Sterne-Haus, das gerade im Rahmen seiner Sonderwochen Zimmer feilbot wie ein Bäcker Brot vom Vortag. Alles zum halben Preis. Außerdem ersteigerte ich in einem Internet-Auktionshaus günstig Stadionkarten. Die Partie war nämlich nicht ausverkauft, und so mussten Schwarzmarkthändler die Tickets unter Wert verkaufen. Als ich Ralf von meinem Coup erzählte, machte er große Augen und sagte: „Du bist ein sensationell guter Schnäppchenjäger. Unglaublich.“

Das Spiel fand übrigens an einem eisigen Februartag statt, damals noch im überaus zugigen Olympiastadion, es war ein lausiger Kick, den zu allem Überfluss auch noch die Bayern mit 1:0 gewannen. Und als ob das nicht genug wäre, musste ich an der Anzeigentafel noch miterleben, wie mein heißgeliebter SC Freiburg in Mainz mit 0:5 unterging. Abends schneite es wie blöd, in der Disco lief nur dämliche Musik, keine Frau sprach uns an, das Bier war dünn. Alles in allem also ein Reinfall. Aber billig. Ein Schnäppchen eben.

Nun fragen Sie sich, warum ich solch' olle Kamellen hervorkrame. Eine berechtigte Frage, die eine Antwort verdient. Erstens: Ich hatte Lust dazu. Zweitens: Mir fiel keine andere Überleitung ein.

Und eine Überleitung brauche ich. Nämlich dafür: In der Buchhandlung meines Vertrauens, zentral gelegen im Herzen der Goldstadt, finden von Zeit zu Zeit Bücherwochen statt. Nun soll es schon mal vorkommen, dass Buchhandlungen sich Büchern widmen. Aber während dieser Bücherwochen stehen Exemplare zum Verkauf, die kleine Mängel aufweisen.

Deshalb gehen sie als Sonderangebote raus. Und zwar an Typen wie mich, die fast schon von erotischer Stimmung gepackt werden, wenn sie irgendwo ein Schild entdecken, auf dem geschrieben steht: „Ein Buch für 2 Euro, ab zehn Büchern jeweils 1,50 Euro.“ So war es auch vor einigen Wochen. Ich sabberte fast, als ich den Laden betrat, ich riss Bücher an mich, ich stürmte in das Geschäft, wie Hausfrauen in den frühen 80er-Jahren beim Sommerschlussverkauf in Gelsenkirchen – kurzum: Ich war im Wahn. Ich kaufte und kaufte und kaufte. Lauter Zeugs, das ich nie lesen werde. Macht ja nix, war schließlich billig.

Als ich nach Hause kam, schüttelte Aurélie missbilligend den Kopf angesichts meiner Literaturauswahl. „Was soll der ganze Quatsch?“
„Hey“, sagte ich. „Alles Schnäppchen. Ralf sagt auch, ich sei ein sensationell guter Schnäppchenjäger.“

„Soso“, erwiderte da Aurélie. „Sagt Ralf das? Kann schon sein. Aber Aurélie sagt: Du hast einen Schuss.“
Frauen haben eben einfach keinen Sinn fürs Sparen.