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10.04.2009

Folge vom 11.04.09

Eine ereignisreiche Woche steht bevor. Morgen ist Ostern. Ostern bedeutet: Toni will Eier suchen. Natürlich keine echten Eier, in 15 Minuten steinhart gekocht und in grüne, blaue oder rote Farbe getunkt. Sondern Schokoladeneier, Schokoladenhasen, Schokoladentafeln, Schokoladenirgendwas. Dazu vielleicht noch ein Buch, was zu spielen, ein neues Sommerkleidchen und ein E-Piano.

Toni will nämlich nicht länger auf der Flöte herumblasen, sondern ein anständiges Instrument. Das hat auch ihre Flötenlehrerin empfohlen. „Die Toni“, hat die Flötenlehrerin gesagt, „hat mit ihren langen Fingern einfach Schwierigkeiten, die Löcher vernünftig zu treffen.“

Toni fand das okay, sie hat gerne lange Finger und sie findet Gefallen an dem Gedanken, die Flöte zur Seite zu legen und ein neues Instrument lernen zu dürfen. Ihr Favorit war das Schlagzeug.
Unser Favorit war nicht das Schlagzeug.
„Das ist doch laut“, haben wir gesagt.
„Laut ist toll“, befand Toni.
„Das ist riesig, wir haben keinen Platz“, wandten wir ein.
„Platz ist in der kleinsten Hütte“, altklugte Toni.
„Da kannst du doch gar keine eigenen Melodien für dich allein spielen,“ gaben wir zu bedenken.
„Ich bin ohnehin mehr der Teamplayer“, antwortete Toni und klopfte mit den Fingern schon mal zur Übung einen unrhythmischen Rhythmus auf die Tischplatte.
Aurélie und ich waren ratlos. Und einig waren wir uns auch: Schlagzeug kommt überhaupt nicht in Frage. Nur – wie sollten wir das dem Kind klarmachen, ohne dass es uns vorwirft, wir würden es in seiner Kreativität bremsen und seien dafür verantwortlich, dass es zum geistigen Krüppel mutiere?
Ich hatte eine Idee.

„Toni“, sagte ich, „Schlagzeug ist ein tolles Instrument. Und weißt du, was das beste ist? Du machst damit nicht nur Musik, sondern gleichzeitig Sport. Am Schlagzeug zu wirbeln ist nämlich körperlich wahnsinnig anstrengend. Da bekommst du Muskeln, wirst fit und bist immer schön ausgepowert.“

Toni überlegte. Sah sich an den Trommeln schwitzen. Spürte die Anstrengung schon. Toni hasst körperliche Anstrengung.
„Mhm“, sagte sie. „Was ist denn nicht so anstrengend?“
„Klavier, zum Beispiel“, sagte Aurélie.

„Na gut, dann lerne ich halt Klavier“, sagte Toni.
Morgen wird sie also im Garten ein E-Piano suchen. Aber vergeblich, Ostern ist schließlich nicht die Zeit für große Geschenke. Sondern für Schokoladeneier.

Allerdings hat Toni zwei Tage später Geburtstag. Wahrscheinlich wird sie früh aufstehen, verkünden, dass sie jetzt elf und damit fast erwachsen sei und dann das Haus durchsuchen. Nach einem E-Piano. Sie wird wieder keins finden. Denn der Flötenvertrag läuft noch bis Ende des Jahres, erst dann folgt der Umstieg.

Sie bekommt eine Playstation2 mit Singstar. Ja, ich weiß, unpädagogisch und so. Aber die Zeiten haben sich geändert, die Jugend auch, und das ist durchaus in Ordnung. Außerdem hat der Singstar-Kram ja auch was mit Musik zu tun, Toni kann Freundinnenabende veranstalten, an denen die Rasselbande vor dem Fernseher sitzt, Karaoke singt und mir gehörig auf die Nerven geht.

Mhm, so gesehen wäre ein Schlagzeug inklusive Schallisolierung wohl doch die bessere Lösung gewesen.