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13.09.2008

Folge vom 13.09.08

Bienen nähern sich mir gerne und sie verweilen auch mit Freude in meinem nächsten Umfeld. Ich weiß nicht, woran das liegt. Ein Grund könnte sein, dass ich im Sommer dazu neige, transpirierend unter der Sonne lustzuwandeln. Ich glaube, Bienen mögen meinen männlichen Geruch.

Vielleicht mögen sie auch, dass ich nicht wild um mich fuchtle, sondern sie sich in aller Ruhe auf meinem Schokoladencremebrot, meinem Obstsalat oder meiner maskulin-duftenden Haut niederlassen dürfen. Dieser Tage habe ich einige der Biester – in diesem Fall waren es Wespen – sogar seelenruhig dabei beobachtet, wie sie von meinem geräucherten Schinken in mühevoller Kleinarbeit ordentliche Stückchen herausgesäbelt und taumelnd in ihr Nest transportiert haben. Sehr faszinierend.

Nun ist es so, dass die kleinen Flieger nicht nur faszinierend, sondern obendrein mit spitzen Stacheln bewehrt sind, die sie von Zeit zu Zeit mit Wonne in ein saftiges Stück Menschenfleisch rammen. Aus diesem Grunde sieht man zwischen April und Oktober manchmal ausgewachsene Menschen, die mit wedelnden Armen aus Straßencafés stürzen oder sich am See todesmutig in die Fluten stürzen, als sei der Leibhaftige hinter ihnen her. Dabei fliehen sie vor nichts weiter als einer schnuckligen Biene.

Ich selbst bin seit Jahren von Wespen- oder Bienenstichen verschont geblieben. Das liegt daran, dass ich stets offenen Auges durch die Welt gehe, insbesondere wenn ich barfuß unterwegs bin. Mein bis heute letzter Bienenstich datiert aus dem Jahre 1986, ich war 14. Eine Biene kroch meine Wade entlang, verirrte sich in meiner weißen Sportsocke, geriet in Panik und fuhr den Stachel aus. War wohl die gerechte Strafe fürs Tragen von weißen Sportsocken und Kunstledersandalen.

Doch zurück in die Gegenwart: Die Kollegin Joos, klein an Wuchs, aber groß an Gelassenheit, eignet sich, ähnlich wie ich, nicht zum Bienenstichopfer. Nie würde sie mit den Armen fuchteln oder mit einer Zeitung nach einem der Tiere schlagen oder es anderweitig töten.

Deswegen ist es mir auch ein Rätsel, warum sie vor einigen Tagen einem der possierlichen Honigspender übelst den Garaus machte, indem sie im Schwimmbad erbarmungslos auf den kleinen Wonneproppen trat, der unter der Wucht des Tritts knirschend auseinanderbrach und sein kurzes Leben aushauchte. Miese Nummer. Zur Ehrenrettung der Kollegin muss gesagt werden, dass sie mehrfach versicherte, die Biene keineswegs mit Absicht zermalmt zu haben.

Doch die Strafe folgte trotzdem, sozusagen unterm Fuß. Das Bienchen stach im letzten Augenblick seines Daseins ordentlich zu, Kollegin Joos humpelte erst und musste sich dann vom Arzt sagen lassen, dass der Bienenstich nicht nur schmerze, sondern ihr obendrein eine Blutvergiftung beschert habe.

Am Abend erzählte ich Aurélie von dem Ereignis. Sie bleibt in Gegenwart von Wespen und Bienen noch cooler als ich. Und so sagte sie nur: „Ich bin schon ewig nicht mehr gestochen worden. Würde mich mal wieder interessieren, wie sich das anfühlt.“

Am nächsten Tag trat sie in eine Biene.

„Und? Wie fühlt‘s sich an?“, fragte ich.

„Das willst du gar nicht wissen“, stöhnte sie und humpelte davon.

Wo sie recht hat, hat sie recht.