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12.12.2008

Folge vom 13.12.08

Gerade sitze ich da und denke keine schweren Gedanken, da schwirrt mir durch den Kopf, dass ich in vorbildlicher Weise schon Anfang November bereit war, meine Sommerräder gegen geeignete Winterbereifung auszutauschen.

Das ist nun schon einige Wochen her, aber mich dünkt, ich habe die damit verbundenen Kompliziertheiten noch nicht ganz verarbeitet, sonst fiele mir das verdrängt geglaubte Ereignis nicht just jetzt ein, da ich mir eigentlich keine schweren Gedanken machen wollte. Das war nun ein eher schwieriger Satz, aber ganz ehrlich, kein Vergleich mit meinem Reifenwechselabenteuer.

Mein Reifenwechselabenteuer ging so: Ich marschierte in den Keller, wuchtete meine Winterreifen ins Auto, und dann nichts wie los zum nächsten Reifenwechsler.
Wie? Warum ich nicht selbst wechsle? ICH? Sonst geht’s aber noch! Viel zu gefährlich.

Es ist ja nicht so, dass ich gar nichts wechseln könnte. Täglich die Unterhose, selbstverständlich. Oder, wenn’s denn sein muss, auch mal eine Glühbirne – und zwar unfallfrei, wie ich betonen möchte. Aber Reifen? Dazu fühle ich mich nicht reif. Und ich glaube, dazu werde ich mich auch nie reif fühlen.

Ich fuhr also zum nächsten Profi-Wechsler. Der Wechsler sagte: „Und, haben Sie auch die Nuss fürs Felgenschloss dabei?“
„Die was?“
„Die Nuss. Fürs Felgenschloss. Wenn ich die Reifen ohne das Schloss wechseln soll, kann es sein, dass ich die Felgen beschädige.“
Wer will schon beschädigte Felgen? Ich jedenfalls nicht. Weil ich mich dunkel erinnerte, irgendwann mal irgendeine Tüte irgendwelchen Inhalts im Zusammenhang mit meinen Reifen gesehen zu haben, machte ich mich auf die Suche. Leider vergeblich. Ich fand weder Schloss noch Tüte. Also fuhr ich nach Hause, mit Sommerreifen am und Winterreifen im Auto.

Zuhause guckte ich in meiner Verzweiflung sogar unter der Abdeckung fürs Reserverad nach, hätte ja sein können, dass sich die harte Nuss dort versteckt. Doch außer dem Reserverad fand ich nichts, gar nichts.
Nun bringt es der November leider mit sich, dass die Tage kälter werden und womöglich sogar Schneefall droht. Ich wollte also diese verdammten Winterreifen unterm Hintern haben. Deshalb rief ich beim Vertragspartner meiner Automarke an, schilderte mein Problem, bekam beruhigende Worte zu hören – „Klar, machen wir, da finden wir eine passende Nuss“ – und ließ mir einen Termin geben. Und siehe da, kaum zwei Wochen später durfte ich vorfahren und meine Geschichte erneut schildern.
Am Abend habe ich mein Auto wieder abgeholt. Die Reifen waren gewechselt, die Felgen unversehrt und ich glücklich.

„Na“, sagte ich gönnerhaft zum Mechaniker, „da hatten Sie wohl die richtige Nuss in Ihrem Nusssortiment“.
„Wieso?, fragte da der Mann. „Die Nuss war doch da. Und zwar dort, wo sie hingehört. Beim Reserverad.“
„Kann nicht sein, da habe ich doch nachgesehen“, wandte ich ein.
Der Mechaniker zuckte mit den Schultern, sah mich mitleidig an, drückte mir die Nuss in die Hand und sagte: „Tja“.
Tja. Beschämt ging ich davon und schimpfte mit der Nuss: „Da hast du mir ja eine ganz schöne Scheiße eingebrockt.“ Und was passierte? Das Teil kicherte frech vor sich hin. Die dumme Nuss!