nach oben
15.02.2009

Folge vom 14.02.09

Der Kollege Klimanski und ich spazierten in der Mittagspause durch die nieselverregnete Stadt. Unsere Bäuche waren gut gefüllt, die Stimmung milde, das Befinden von winterlicher Müdigkeit geprägt.

So schlenderten wir arglos dahin, vorbei an überquellenden Mülltonnen, an leeren Geschäftsräumen, an tristen Hinterhöfen. Eine Großstadt im Februar eben, kennst du eine, kennst du alle.

Wir gingen schweigend daher, weil Männer nunmal keine kleinen Plaudertäschchen sind, die über allerlei Kleinkram des Alltags stundenlang zu referieren imstande sind. Gut, imstande sind sie vielleicht schon, jedoch nicht willens. Schon gar nicht, wenn die Fußballthemen abgehakt sind und ansonsten bereits alles Wesentliche gesagt ist:
„Und, wie geht's?“
„Gut! Und selbst?“
„Gut.“
„Das ist gut.“
„Ja.“

Nach diesem Wasserfall der Wortgewalt beim Mittagstisch war es nun natürlich höchste Zeit, die vornehme Winterstille bei einem Spaziergang zu genießen, bestenfalls begleitet vom Lärm der brummenden Motoren, der greinenden Kinder, der quasselnden Frauen um uns herum.
Das Schöne am Schweigen ist, dass die eigene Aufmerksamkeit nicht abgelenkt wird von unnützem Gerede über Kindererziehung, Lippenstiftschattierungen oder Möglichkeiten zur Bewältigung der Weltwirtschaftskrise.

Wer schweigend durch die Stadt zieht, hat die Muße, sich in aller Ruhe umzusehen und dabei auf Entdeckungstour zu gehen. So wie ich.
Ich entdeckte: Eine ganze Schilderkette, die uns auf unserem Weg begleitete. Schilder an Hauswänden, Türen, Fenstern, die allerhand Gebote und Verbote verkündeten, fast in biblischem Ausmaß. Der Eingangsbereich, hieß es da mit schriftlich erhobenem Zeigefinger, sei das Aushängeschild der Hausgemeinschaft und deshalb keineswegs zu beschmutzen oder mit Unrat zu versehen.

Es gab noch mehr Schilder, aber es waren zu viele, als dass ich mir sämtliche Aufforderungen, etwas zu tun oder etwas zu unterlassen, hätte merken können. Doch ich war fasziniert von der Fülle der Verbote.
„Ich wusste nicht, dass man so viel verbieten kann“, sagte ich.
„Ich schon“, rechthaberte der Kollege Klimanski.
Dann schwiegen wir erschöpft.

Wir passierten weitere Schilder, allesamt zwar strengen, aber doch harmlosen Inhalts. Kein Grund, darüber zu sprechen.
Bis wir ein Bäckereifachgeschäft erreichten, dessen mittlerweile geschlossene Verkaufsräumlichkeiten ehedem über eine kleine Treppe von drei Stufen zu erreichen war. Ein Schild klebte einsam an der abgesperrten Tür. Es war unauffällig weiß, nicht in grellem Gelb gehalten. Keinerlei Signalwirkung. Ich las es trotzdem:
„Das Sitzen und Abladen von Abfall ist polizeilich verboten!“
Ich war froh, dass ich mich dank polizeilicher Bekanntmachung nicht setzen durfte, die Treppe war nämlich nass. Und ich war auch froh, dass unsere Polizei sich um solch' wichtige Dinge kümmert.
„Gut“, sagte ich deshalb zum Kollegen Klimanski, „dass das geregelt ist.“
„Ja“, sagte er. Und mehr gibt es dazu nun wirklich nicht zu sagen.