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14.05.2010

Folge vom 15. Mai

Wenn das kein Wochenende zum Feiern ist: Der SC Freiburg ist immer noch Erstligist, die Grillsaison ist in vollem Gange, ich habe Geburtstag. Letzteres darf Sie gerne zu einer Vielzahl von Gratulationsmails und Geschenkepäckchen animieren, muss aber nicht. Wer mich kennt, weiß, dass ich mir aus meinem Geburtstag nicht viel mache. Genau genommen mache ich mir so wenig daraus, dass ich nie weiß, wie alt ich bin.

Mein Alter zu vergessen, ist eine blöde Angewohnheit. Denn manchmal kommt es vor, dass ich zu bürokratischen Anlässen gefragt werde, wie alt ich bin. Früher neigte ich dann dazu, wie aus der Pistole geschossen zu rufen: 16. 5. 1972. Doch das war leider die falsche Antwort. „Schön“, sagten dann die jeweiligen Fragesteller. „Aber das ist leider die falsche Antwort. Ich brauche das Alter, nicht das Geburtsdatum.“

Es folgte ein Moment peinlichen Schweigens, in dem ich versuchte, mich an mein Alter zu erinnern, und mein bürokratischer Gesprächspartner versuchte, die gesuchte Antwort mittels Kopfrechnerei zu ermitteln. Meistens gewann der Gesprächspartner.

Selbstverständlich war mir so etwas peinlich, weshalb ich seit einiger Zeit dazu übergegangen bin, einen Moment zu überlegen, ehe ich meine Antwort auf Altersfragen in die Welt schmettere. Seither passiert es mir nicht mehr, dass ich oben genanntes Datum einfach so von mir gebe.

Dafür stehe ich nun hilflos da, wenn jemand erwähnte Frage an mich richtet. Ich stehe und grüble und versuche, die hintersten Windungen meines Hirns zum Laufen zu bringen. Irgendwann dauert mein Schweigen zu lange, ich öffne den Mund, Schweißtropfen perlen von meiner Stirn, mein Gesicht läuft rot an, die Lider flattern und ich sage: „38.“

Stutzen meinerseits, kurzes Nachdenken.
„Nein, Quatsch, 39.“
Erneutes Stutzen meinerseits, verlegenes Lachen, längeres Nachdenken. Schließlich: ein neuer Versuch.

„Was erzähle ich denn für einen Unsinn? Nicht mein Tag heute, bin wohl mit dem falschen Fuß aufgestanden, haha. Natürlich bin ich 36. So, jetzt stimmt's.“
Wieder Stutzen. Kratzen am Kopf, nachdenken, grübeln, kritischer Blick meines Gegenübers, das dennoch ansetzt, die Information ins Formblatt einzutragen.

„Haaaalt“, rufe ich. „37 bin ich. 37.“
„Sicher?“
„Sicher“, sage ich, denn ich bin mir sicher. Ich bin 37, eindeutig.

Und jetzt, da ich mich kaum daran gewöhnt habe, 37 zu sein, und entsprechende Fragen mit einer Trefferquote von sagenhaften 71 Prozent richtig beantworte, jetzt also werde ich 38. Und der ganze Mist fängt von vorne an.

Eine Zeitlang hatte ich erwogen, ein nonchalantes „Ach, jeder ist doch so alt, wie er sich fühlt!“ in die Runde zu werfen. Aber erstens ist das gelogen und zweitens ist eine solch' vage Angabe echten Bürokraten nicht präzise genug.
Toni hat solche Probleme nicht. Erstens muss sie keine bürokratischen Fragen beantworten oder entsprechende Formblätter ausfüllen. Und zweitens weiß sie heute schon, dass sie in exakt 332 Tagen 13 wird.

Ihrem zwölften Geburtstag hatte sie entgegengefiebert, genau wie schon dem elften, zehnten undsoweiter. Sie findet Geburtstage einfach toll. Auch meinen.
„Buddy, du hast bald Geburtstag. Freust du dich?“
„Geht so.“
„Du bist komisch. Na ja. Wie alt wirst du eigentlich?“
„37. Nein. 39. Oder? Moment, ich komm' gleich drauf...“