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15.01.2010

Folge vom 15.01.10

Es liegt in der Natur der Natur, dass sie macht, was sie will. Zum Beispiel den ewigen Wunsch nach weißer Weihnacht stets zu ignorieren und die Schneepracht erst im neuen Jahr herabrieseln zu lassen.

Diesmal geschah dies wenigstens noch kurz vor dem Ende der Schulferien, sodass Väter, Mütter und Kinder sich gemeinschaftlich ins weiche Weiß begeben konnten. So auch wir. Luigi tollte im Garten durch den Schnee, Samson, Toni, Aurélie und ich setzten uns dagegen ins Auto und machten uns auf die Suche nach einer geeigneten Rodelpiste in der Nähe. Keine kilometerlange Fahrt sollte vor dem Vergnügen stehen, nur ein kurzer Trip ins Glück.

Und so geschah es auch. Ich erinnerte mich an einen Spaziergang, der uns einst reichlich steil bergan geführt hatte. Ich weiß es noch genau, wie Samson damals, im Herbst, fröhlich vor mir hertollte, während ich schwer atmend hintendrein hechelte, in steter Sorge, vor der Steile des Hangs kapitulieren zu müssen. Immerhin, ich schaffte es seinerzeit, den Gipfel zu erklimmen.

Diesmal war ich frischer, zuversichtlicher, frohgemuter – die Aussicht auf eine zünftige Schlittenfahrt beflügelte mich. Denn, so schloss ich bei der Erinnerung an den Herbstspaziergang messerscharf, wo es steil bergauf geht, geht es auch wieder steil bergab.

Deshalb packte ich neben Zwei- und Vierbeinern auch noch meinen Schlitten Charly ein, der mir im Vorjahr wegen rasanter Fahrt ein Rückenleiden eingebrockt hatte.

Diesmal indes lag so viel Schnee, dass ich überzeugt war, keine bösen Buckel und ruppige Rippen passieren zu müssen, die meine armen Knochen stauchen und stapeln. Ich parkte das Auto am Fuße des Bergs, entließ Familie, Hund und Schlitten ins Freie, atmete tief durch und rief enthusiastisch: „So!“

„Was so?“, fragte Aurélie. „Jetzt geht's los. So!“, sagte ich und rieb mir die dick behandschuhten Hände. Samson wuselte unterdessen in der ihm eigenen Überheblichkeit den Berg hoch, als sei nichts dabei, während meine Damen sich dem Hang zwar guter Laune, aber doch respektvoll näherten. Ich rief „Auf geht's“ und stapfte energisch los, immer den Spuren des Hundes folgend. Ich hatte es dabei relativ leicht, denn Toni zog Charly, und sie vergaß bis kurz vorm Gipfel völlig, dass das ja eigentlich meine Aufgabe ist, so als Familienvater. Nach einer gefühlten Stunde – tatsächlich waren nur zehn Minuten vergangen – kamen wir oben an, ich nahm Toni den Schlitten aus der Hand, drehte ihn um und rief erneut: „Jetzt geht's los.“

Toni setzte sich hin, ich schob sie an, rannte hinterher, sprang auf den Schlitten und – nichts geschah. Der Schlitten steckte fest, einfach so, im tiefen Schnee, während Samson fröhlich wedelnd um uns herumsprang und uns die Gesichter ableckte.

„Aurélie“, sagte ich zu Aurélie, „du musst anschieben“. Sie schob, aber wir kamen höchstens acht Meter weit. Im Schneckentempo. „Hey“, rief Aurélie“, „das ist genau mein Tempo. Ich will auch fahren. Mach' Platz.“
Ich machte Platz, schob beide an, nach acht Metern war Schluss. In diesem Rhythmus ging es bis ins tiefe Tal. Wobei: So tief war das Tal gar nicht, jedenfalls nicht von oben betrachtet. Im Gegenteil: Die Steigung war minimal. Gar nicht steil. Seltsam.
Die Schlittenfahrt fiel jedenfalls flach. Dafür ist mein Rücken noch heil. Und mein Gesicht sauber geleckt.