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15.05.2009

Folge vom 16.05.09

Es gibt normale Tage und es gibt andere. Also Tage, die irgendwie historisch sind, Tage, die in Dimensionen vorstoßen, die bestenfalls mit der Amtseinführung Barack Obamas oder dem vierten Bundesligaaufstieg des SC Freiburg in einem Atemzug zu nennen sind.

So ein Tag war heute vor 37 Jahren. Mein Geburtstag. Es war 14.07 Uhr, ein sonniger Dienstag, als ich am 16. Mai des schönen Jahres 1972 in Freiburg das Licht der Welt erblickte. Ich sauste aus dem warmen Leib meiner Mutter nach draußen, sah mich um und schrie begeistert. Was Neugeborene halt so machen.

Ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen. Die blöde Sonne blendete mich unangenehm, so dass ich meine Augen zusammenkneifen musste und die Frau, die mich geboren hatte, gar nicht richtig erkennen konnte. Außerdem war mir scheißkalt. Elender Luftzug. Gerade noch freute ich mich an kuscheliger Enge und jetzt zerrte mich irgendwelches wildfremdes, weißbekitteltes Pack nach draußen, schnippelte an meinem Bauch herum, hob mich hoch und schüttelte mich ein bisschen.

„Spinnt ihr!?“, brüllte ich. „Hört auf mit dem Scheiß. Mir wird ja schlecht.“
Sie lächelten und reichten mich der Frau, die mich geboren hatte.
„So“, sagte ich. „Du bist also meine Mutter? Tach!“
Sie sagte nichts, sondern lächelte ermattet, mit Tränen in den Augen. Na toll, kaum bin ich da, fängt sie an zu heulen. Und ich dachte, ich sei ein Wunschkind. Ehrlich gesagt war ich ein bisschen angefressen. Meinen Empfang hatte ich mir anders vorgestellt. Konnte ja nicht ahnen, dass es auch Freudentränen gibt. Weinen, wenn's einem gut geht. Pfff, Erwachsene!

Kurz darauf kamen wieder weißbekittelte Menschen und trugen mich in ein anderes Zimmer. Elender Stress, ich hatte gar keine Zeit, mich einzugewöhnen und mit der Frau, die mich geboren hatte, zu plaudern. Stattdessen musste ich mich mit einem Haufen Schreihälsen rumärgern, die genauso klein waren wie ich und nervig durcheinander brüllten:
„Meine Mutter ist viel hübscher als deine.“
„Dafür ist mein Vater reicher.“
„Meiner ist noch reicher. Außerdem kann er super kicken.“
„Gar nicht!“
„Doch!“
„Nein!“
„Ich hau dir gleich in die Hackfresse!“

Boah, war ich genervt. „Ruuuuheee!“, brüllte ich.
Dann war Ruhe. Sehr erholsam. Ich beschloss, die Gelegenheit zu nutzen und ein kleines Nickerchen zu machen. Dieses Geburtszeugs war nämlich verdammt anstrengend.

Ein paar Stunden später wachte ich auf, frisch und munter, als sich ein Mann mit stoppeligem Gesicht über mich beugte. „Na, Sohnemann, aufgewacht?“ Er stupste mich mit dem Finger in den Bauch.
„He“, rief ich. „Das kitzelt.“
Er stupste nochmal. Ich musste kichern. Er stupste nochmal. Ich kugelte mich vor Lachen.
„So, Herr Huberth, jetzt lassen wir den Kleinen mal wieder allein. Er muss sich erholen“, unterbrach uns eine weißbekittelte hübsche junge Frau. Ziemlich heißer Feger.
„Willst du mich heiraten?“, rief ich. Sie lächelte mich an und ging aus dem Zimmer. „Das heißt dann wohl ‚Ja‘“, murmelte ich zufrieden und schlief wieder ein. Und das war das müde Ende eines historischen Tages.
Ach ja, Geschenke bitte an die PZ.