nach oben
19.01.2009

Folge vom 17.01.2009

Luigi ist da. Dieses zu schreiben fällt mir nicht leicht, denn die Tatsache, dass Luigi da ist, bedeutet, dass ich mit einem eisernen Grundprinzip meines Lebens gebrochen habe. Das Grundprinzip heißt: Mir kommt keine Katze ins Haus. Niemals.

Doch jetzt ist Luigi da.

Das kam so: Nachdem ich die Frau meines Herzens geheiratet hatte, gab ich Aurélie unter dem verheerenden Einfluss hormonellen Überschwangs ein folgenschweres Versprechen. Nämlich dieses: „Sollten wir je ein eigenes Haus besitzen, darfst du dir eine Katze anschaffen.“
Konnte ja keiner ahnen, dass wir gerade mal sechs Monate später unsere Mietwohnung und damit auch unsere Vermieterin verlassen würden. Unsere Vermieterin hatte die Haltung von Haustieren stets abgelehnt mit der kaum zu entschärfenden Begründung, dass sie unter einer Fellphobie leide. Und da wir weder eine Nacktkatze noch einen Fisch beherbergen wollten, mussten wir uns beugen.

Doch damit war nach dem Einzug in unser neues, vermieterinnenfreies Heim Schluss. Es gab keine Ausreden mehr, sondern nur noch die Erinnerung an ein leichtsinnig gegebenes Versprechen. „Hurra“, jubilierte Aurélie deshalb seither jeden Tag. „Wir bekommen eine Katze.“
Ich wusste, dass ich aus dieser Nummer nicht mehr herauskommen würde. Also packte ich Aurélie vor einer Woche ins Auto und fuhr mit ihr ins Tierheim. Natürlich hatte ich die stille Hoffnung, dass wir dort kein für uns geeignetes Wesen finden würden. Sondern nur alte, hässliche, verhaltensgestörte Biester. „Ich nehme kein altes, hässliches, verhaltensgestörtes Biest auf, das sage ich dir gleich“, sagte ich deshalb gleich zu Aurélie. „Schon gut“, antwortete die gelassen.

Im Tierheim sagte ich der Mitarbeiterin ebenfalls, dass ich kein altes, hässliches, verhaltensgestörtes Biest zu nehmen gedenke. „Lieb muss die Katze sein, noch recht jung, lebhaft, aber doch anschmiegsam, sauber und rein, stets gelassen, mit tadellosem Verhalten. Haben Sie so etwas?“

Die Mitarbeiterin runzelte die Stirn und schüttelte langsam den Kopf. „Schwierig, schwierig“, sagte sie. Ich rieb mir die Hände.

Dann sah sie plötzlich auf und strahlte uns an. „Ich glaube, ich habe genau den Richtigen für Sie. Janosch! Ein Jahr alt. Kommen Sie mit.“ Ich rieb mir die Hände nicht mehr. Aber noch hatte ich Hoffnung. Der Kater, so dachte ich, würde mir bestimmt nicht gefallen, und ich könnte ihn guten Gewissens ablehnen.

Die Mitarbeiterin führte uns zu den Katzenhäusern und drückte mir einen zierlichen Kater in den Arm, pechschwarz, mit einem kleinen, weißen Fleck auf der Brust. Der Kater schmiegte sich an mich, leckte mit seiner rauen Zunge über meine Hand, kuschelte und wuschelte und sah mich an. „Nimm mich mit“, riefen seine Augen. Ich hatte keine Chance, verdammt.

„Den nehmen wir mit“, sagte ich zu Aurélie. Sie grinste breit und nickte.
Wir tauften Janosch in Luigi um, drei Tage später zog er bei uns ein, und jetzt ist er da. „Eins ist aber klar“, sagte ich zu Aurélie. „Ins Bett kommt er nicht. Das muss ein eisernes Grundprinzip bleiben.“ Sie grinste wieder breit und nickte.

Als ich am Abend das nächste meiner Grundprinzipien brach, machte sich Aurélie kein bisschen lustig über mich. Wenigstens einer von uns hat Charakter.