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22.07.2010

Folge vom 17.07.10

Motto-Partys sind seit Jahren sehr beliebt, warum auch immer. Ich jedenfalls bin kein Freund davon, was vielleicht auch daran liegt, dass ich generell kein Freund von Partys bin, sondern ein Eigenbrötler, ein Eremit, ein verstockter Einzelgänger, der von Tag zu Tag seltsamer wird, wie mir Aurélie immer wieder mit kaum verholenem Vorwurf in der Stimme verkündet.

Dabei sind Motto-Partys wirklich dämlich. Jede zweite Fete der vergangenen 20 Jahre huldigt entweder den 60er-, 70er- oder 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. 70er-Jahre! Ausgerechnet! Die Frauen lassen sich zur Vorbereitung wochenlang die Achsel-, die Männer die Bart- und alle zusammen die Haupthaare wachsen, unterziehen die guten Kleider einer Batik-Kur und hoffen auf wilden Sex mit wechselnden Partnern wie einst in der Kommune 1. Das mit dem Sex klappt natürlich nicht, dafür verfilzen Achseln und Bärte und alles müffelt nach Schweiß. Was soll daran schön sein?

Nein, ich kann mit Mottos nichts anfangen. Und genau deshalb weigere ich mich hier und jetzt und an dieser Stelle, übers Glück zu schreiben. Über jenes Glück, das sich durch die heutige Ausgabe dieser Zeitung zieht wie freudetrunkene spanische Fans nach dem WM-Sieg ihrer Mannschaft durch Madrids Straßen.

Über jenes Glück, das also zum Motto des PZ-Tages geworden ist.
Was sollte ich auch schon über das Glück schreiben? Irgendwelche philosophische Gedanken zum Besten geben, tiefsinnig, wie es eben meine Art ist? Vom Lottogewinn schwadronieren, der so vielen als höchstes denkbares Glück gilt, der den zweifelsfrei glücklichen Gewinner aller Sorgen entledigt? Und darüber, dass es so viele Lottogewinner gibt, die nach dem schnellen Glück in tiefe Depression verfallen, alsbald pleite sind, ohne Freunde, Liebe und Lust am Leben?

Oder Poesie-Alben-Sprüche zitieren, etwa so: „Das höchste Glück der Erde, liegt auf dem Rücken der Pferde“? Ich habe mich als Kind immer gewundert, wenn irgendein komisches Mädchen mir diesen dämlichen Satz ins Büchlein notiert hat. Wusste doch jeder, dass mein damals höchstes Glück der Erde auf dem Fußballplatz lag.

Das Glück ist so flüchtig, warum sollte ich darüber schreiben? Eben war es noch da, linste um die Ecke, guckte mich an aus Luigis grünen Augen, tapste mir entgegen auf Samsons weichen Pfoten, brachte mich zum Lachen dank Tonis schnoddrig-pubertierender Schlagfertigkeiten, streifte meinen Nacken mit Aurélies streichelnder Hand.

Und dann: Ist es fort, das Glück. Kratzender Kater, raufender Hund, freches Kind, streitende Gattin. Klar, es kommt wieder, ziemlich zackig sogar. Und dann haut es erneut ab, kommt zurück, versteckt sich, grinst schelmisch, bleibt ein paar Tage verschwunden, ganz wie es ihm gefällt. Unzuverlässiger Geselle, mal Hü, mal Hott. Und wenn man ruft: „Verweile doch im Augenblick“, saust es geschwind davon, das Glück.

Mal ehrlich: Wer bin ich, dass ich über so etwas schreibe? Das Glück ist einfach nicht konstant genug, als dass ich bereit wäre, auch nur eine Zeile darüber zu verschwenden. Es soll erst mal lernen, mir den nötigen Respekt zu erbieten, mich zu umschmeicheln, da zu sein, wenn ich es brauche. Dann bringe ich es gern groß heraus. Solange es jedoch derart ungezogen ist, zeige ich dem Glück die kalte Schulter.

Da mag der Chef noch so sehr darauf drängen – ich bleibe eisern, absolut konsequent bis zum Schluss, bleibe ausdauernd stur, mottolos und – glücklich.