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17.07.2009

Folge vom 18.07.09

Manchmal bringt selbst die ausführlichste Recherche keine eindeutige Antwort. Wer etwa der Frage nachgeht, welcher Rasse Timmy, der Hund der Enid Blyton-Helden „Fünf Freunde“, angehört, muss mehrgleisig fahren.

Da ist nämlich erstens das Buch, zweitens die berühmte Fernsehserie aus den 70er-Jahren, drittens die nicht sehr berühmte Fernsehserie aus den 90er-Jahren, viertens der Film „Fünf Freunde in der Tinte“.

Ich weiß, Sie sind neugierig und wollen deshalb Antworten. Hier sind sie also: Im Buch ist Timmy ein Mischling, in der 70er-Jahre-Serie ein Border Collie, in den 90ern ein Bearded Collie und im Film ein Deutscher Schäferhund. So weit, so unklar.

Immerhin: Es steht eindeutig fest, dass Timmy kein Terrier ist. Ich wiederum kenne einen Timmy, der ist Terrier. Aber der ist ganz anders, als Blytons Timmy. Der Fünf-Freunde-Hund ist lieb und hilfsbereit und überhaupt ein Traumexemplar von Hund.
Der Terrier Timmy ist das alles nicht.

Ich bin dem Terrier Timmy beim abendlichen Spaziergang begegnet. Samson und ich lustwandelten in der Sommerschwüle und waren gerade im Begriff, einen Steg über einem Flüsschen zu passieren, als eine hysterische Frauenstimme erscholl: „Timmy! Tiimmy!! Tiiiimmyy!!! TIIIIMMMYYYYY!!!!

Sekunden später sauste ein Hund heran. Ich dachte noch: Timmy? Julian? Dick? George, Anne? Seid ihr's? Die fünf Freunde? Es waren keine Freunde.

Es waren Terrier Timmy, sein hysterisches Frauchen und sein hilfloses Herrchen, die uns bestürmten, Timmy weit vorweg. Die Hunde beschnüffelten sich kurz, dann hatte Timmy keine Lust mehr zu schnüffeln. Er wollte beißen.
Das tat er dann auch.

Zum Glück ist Samson mit dickem Fell gesegnet, so dass Timmy bestenfalls ein Büschel Haare in der Schnauze hatte, an dem er sich womöglich verschluckte. Natürlich wehrte Samson sich – im Gegenteil zu Kater Luigi ist er kein Pazifist –, aber er war in die Enge getrieben und lange nicht so kampferfahren wie Timmy.

Nun war ich an der Reihe, hilflos zu sein. Samson zurückzerren wäre Unsinn gewesen, Timmy hätte nachgesetzt. Nach Timmy zu greifen wäre für meine Hand gefährlich gewesen, Samsons Leine loszulassen auch, wir waren zu nahe an der Straße.

Leider waren Timmys Menschen auch keine Hilfe, außer hysterischen Schreien war nichts zu erwarten. Die fünf Freunde hatten ihren Timmy eindeutig besser im Griff.

Plötzlich jedoch ließen die Hunde voneinander ab. Timmy schoss wie ein Pfeil davon, Samson bellte verwirrt, ich begann zu husten und zu würgen: Timmys Herrchen hatte beschlossen, etwas zu tun – er sprühte mit Pfefferspray um sich. Auf Timmy, auf Samson, auf mich.
Ich kümmerte mich um Samson, Timmys Frauchen schlug – trotz meines Protests – ihren Hund, ich hustete weiter. Das Ehepaar zog weiter, immer noch den armen Hund schlagend, der gar nicht wusste, was das soll.

Samson und ich gingen ebenfalls unseres Wegs. Beziehungsweise: Samson robbte, weil das Spray brannte, ich winselte, weil das Spray brannte. Zwei Stunden später brannte es noch immer. Samson robbte, ich winselte.

Ehrlich, ich hätte gern darauf verzichtet, endlich mal Pfeffer unterm Hintern zu haben.