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18.09.2009

Folge vom 18.09.09

Wirklich, ich habe es versucht. Habe beruhigenden Tee getrunken, habe mir Argumente überlegt, habe sogar eine Wuthöhle gebaut. Aber es hat alles nichts gebracht. Trotz aller Bemühungen und ernsthaftester Gespräche, trotz längeren Aufenthalts in der Wuthöhle und diversen Appellen an seine Ehre hat Luigi sich nicht in der Lage gesehen, Fridolin, unsere Hausmaus, zu jagen, zu fangen, zu vertreiben. Elender Pazifist.

Weil Luigi seiner verdammten Katerpflicht nicht nachkommen wollte, mussten wir andere Maßnahmen ergreifen, unseren ungebetenen Gast vor die Tür zu komplementieren. Harte Maßnahmen. Schließlich war Fridolin in unser Territorium eingedrungen, er aß unser Essen, er provozierte und reizte, kurzum: Er beschwor einen Krieg herauf.
Höchste Zeit, aufzurüsten. Ich suchte im Internet nach der ultimativen Waffe gegen Mäuse – und fand Verbündete. Kammerjäger.
„Kammerjäger?“, rief Aurélie. „Spinnst du? Du würdest wohl auch mit Kanonen auf Spatzen schießen. Kommt nicht in Frage.“
Ärgerlich. Doch ich hatte Alternativen. „Gift. Klappt hundertprozentig“, frohlockte ich. „Tötet jede Maus in Sekundenschnelle.“
„Genau“, sagte Aurélie. „Und Samson und Luigi gleich mit.“
„Oh, das habe ich nicht bedacht“, sagte ich, als mir klar wurde, dass ich das nicht bedacht habe.

Blieb wohl nur die gute alte Mausefalle. Ein bisschen Speck, eine neugierige Maus, ein schneller Schlag, ein gebrochenes Genick und Fridolin wäre Geschichte.

„Jetzt reicht's aber!“ Aurélie war, so schien es mir, sauer. Und deshalb erläuterte sie mir nachdrücklich, dass ich erstens ziemlich blöd guckte, wenn Luigi oder Samson ihre Nase in die Falle steckten, um den Speck zu stibitzen. Und dass es zweitens überhaupt nicht in Frage käme, das arme Tier zu töten. Ich hätte überhaupt nur zwei Möglichkeiten: Entweder ich sei in der Lage, Fridolin lebend aus dem Haus zu schaffen. „. . . oder?“, fragte ich bang. „Oder er bleibt!“

Aha. So war das also. Nach Hund und Katze wollte sie mir jetzt noch eine Maus unterjubeln. Am besten eine, die bald eine Familie gründet, die so rasch wächst, dass nicht einmal ein Kater, der den Namen auch verdient, der Plage Herr würde. Nicht mit mir.

Ich recherchierte noch ein wenig – und fand heraus, dass es Lebendfallen gibt. Genau das, was ich brauchte. Also kaufte ich so ein Ding und präparierte es. Spießte ein Stück Käse auf, beschmierte es mit Nutella (das lieben die Biester), spannte den Klappmechanismus und ging siegesgewiss zu Bett.

Am nächsten Morgen war der Käse noch in der Falle. Das Nutella war weg. Die Maus auch. Hatte mich verarscht, der kleine Racker.
An diesem Abend spießte ich eine Banane auf. Nix zum abschlecken. Eine sichere Sache. Am nächsten Tag war die Banane weg, die Maus auch. Hatte mich verarscht, der kleine Racker.

Am nächsten Abend spießte ich eine Traube auf. An der würde er zerren müssen, was den Klappmechanismus aktivieren würde. Am Morgen war die Traube weg – die Maus nicht. Fridolin saß in der Falle. Hatte ihn verarscht, den kleinen Racker.

Ich habe ihn dann in ein Maisfeld entlassen. Vielleicht begegnet er ja dort noch einmal Luigi. Dann können die beiden sich an die guten alten Zeiten erinnern. Als sie bei uns daheim zusammen spielten.