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19.02.2010

Folge vom 19.02.10

Kollegen können niederträchtig sein. Etwa jener nicht genannt werden wollende PZ-Fotograf, der mich vor einigen Tagen in der Redaktion angesprochen hat.

„Hey Huberth“, rief der Kollege mit einem Unterton, der mich Böses ahnen ließ. „Na, ist euer Tischkicker schon verschimmelt?“
Der Kollege hatte vor einigen Wochen an dieser Stelle gelesen, dass ich mir im Überschwang sportlicher Willenskraft ein Gerät zugelegt hatte, das mittels an einem Tisch angebrachter Teleskopstangen bedient wird, an denen Fußballern gleichende Figuren angebracht sind, die sich dazu eignen, einen Ball mit ordentlichem Kraftaufwand aus dem Handgelenk in dafür vorgesehen Öffnungen an den jeweiligen kurzen Enden des Tisches zu katapultieren. Wer diesen Satz nun nicht verstanden hat, muss sich nicht grämen, sondern sich einfach einen Tischkicker vorstellen. Kann ja so schwer nicht sein.

Nun weiß der Kollege offensichtlich aus seiner Kindheit, dass Spielzeug – selbst und gerade solches, das der sportlichen Betätigung dient – oftmals die Neigung hat, nach wenigen Tagen vergessen in der Ecke zu liegen und bei falscher Lüftung der Räumlichkeit, in der das Gerät zu seiner vorzeitigen Ruhe findet, gar Schimmel anzusetzen droht.
Ich versicherte dem Kollegen zwar mit heiliger Ernsthaftigkeit, dass wir den Tischkicker stets und mit Freude seiner wahren Benutzung zuführen. Doch der lachte nur und glaubte mir kein Wort. Ignoranter Kerl.
Tatsächlich ist es aber so, dass der Tischkicker in unserem Keller kein einsames Dasein fristet. Erstens hat er oft Gesellschaft von Kater Luigi, der den Tischkicker-Kellerraum als seinen Lieblingsort auserkoren hat. Und zweitens versammelt sich die Familie fast jeden Abend unterhalb der Erdoberfläche, um den Freuden des Tischkickens zu frönen.

Die Mannschaftsaufstellung ist dabei klar: Toni und Aurélie treten gegen mich an. Das war am Anfang eine triste Angelegenheit. Ich gewann jedes Spiel, meistens haushoch. Toni dilettierte im Angriff vor sich hin, Aurélie stolperte in der Abwehr mehr schlecht als recht über die heranrauschenden Bälle und war sich auch nicht zu schade, das eine oder andere peinliche Eigentor zu fabrizieren.

Samson und Luigi dürfen nicht mitspielen, nur zusehen und vor allem zuhören, wenn die Bälle mit lautem Gepolter von einer Ecke in die andere knallen.

An der eher passiven Rolle unserer beiden Biester hat sich bis heute nichts geändert. Wohl aber am Verlauf der Partien. Toni ist mittlerweile erschreckend schusssicher und trifft ein ums andere Mal ins Tor. Und Aurélie gefällt sich darin, der Torhüterlegende Sepp Maier nachzueifern. Angeberin.

Festzuhalten bleibt, dass ich mich heutzutage gewaltig anstrengen muss, wenn ich ein Match für mich entscheiden will. Kürzlich verlor ich gar fünfmal in Folge, was Toni zu allerlei hämischen Kommentaren veranlasste. Sie nannte mich gar ein „Opfer“. Unverschämtheit. Nur, weil ich sie und Aurélie in den Wochen zuvor mehrfach ebenso tituliert hatte.
Und festzuhalten bleibt ebenfalls, dass der Tischkicker, entgegen der Ansicht meines nicht genannt werden wollenden Kollegen, im Dauereinsatz ist. Und auch bleibt. Mindestens, bis ich fünf Partien in Folge gewonnen habe. Und das kann dauern.