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19.12.2009

Folge vom 19.12.09

Seit einigen Wochen ist Luigi nicht mehr Träger des großen Halstrichters erster Klasse. Das heißt, der kleine, schwarze Kater kann sich wieder frei bewegen, sich von anderen Artgenossen vertrimmen lassen, von Bäumen purzeln und sich in Samsons Fell festkrallen. Und er kann sich Spielkameraden suchen.

Vielleicht erinnern Sie sich, dass er das vor einigen Monaten schon einmal getan hat, mit der Folge, dass ich mich auf Mäusejagd begeben musste und mehrfach von dem kleinen Nager, den Luigi ins Haus gebracht hatte, gefoppt wurde. Ganz zu schweigen davon, dass der Kater intellektuell nicht in der Lage war, die Maus – sie hieß Fridolin –, zu jagen, zu fangen und zu eliminieren. Nach mehreren Tagen gelang es mir damals, Fridolin in einer Lebendfalle festzusetzen, um ihn hernach auf einem nahegelegenen Feld in die Freiheit zu entlassen.

Schon damals war ich sehr irritiert. Schließlich hatten wir uns unter anderem für den Zuzug eines Katzenviehs entschieden, damit es uns Mäuse und anderes Getier vom Leib hält. Und nicht, dass es uns die Biester in die Bude schleppt. Offensichtlich hat Luigi das falsch verstanden: Er sieht sich trotz meiner Ermahnungen nach der Fridolin-Affäre immer noch nicht in der Lage, sich so zu verhalten, wie es sich für einen Kater gehört.

Zumindest keimte diese Vermutung in mir, als ich am vergangenen Sonntagmorgen auf dem Sofa lag und mich an der Vorweihnachtszeit erfreute. Frau, Kind und Hund schliefen noch, Luigi war draußen unterwegs, ich genoss die adventliche Ruhe.

Bis es hinterm Bücherregal (ja, ein echtes „Billy“) knisterte. Das Knistern kam mir bekannt vor. Fridolin hatte genauso geknistert. Ich sprang auf, leuchtete mit der Taschenlampe in Ritzen und Spalten, entdeckte aber nichts. Hörte nur von Zeit zu Zeit dieses Knistern.

Kurz darauf kam Toni nach unten geschlurft, grüßte muffig, verlangte nach Essen, setzte sich zu mir und nölte, dass sie müde sei. „Psst“, sagte ich. „Hörst du das Knistern?“

Sie hörte es auch. Plötzlich war sie nicht mehr müde. „Eine Maus“, rief sie aufgeregt, „das ist bestimmt eine Maus“.

Und während wir über die Maus sprachen, klappte die Katzenklappe, Luigi schob sich herein – mit einer Maus im Maul. Stolz sah er zu uns herüber, ließ die Maus fallen, sah zu, wie das Tier davonwuselte, versetzte ihm einen kameradschaftlichen Hieb und ließ es wieder laufen.
Ich holte eine Plastikschüssel, befahl Toni, den Kater zu schnappen und einzusperren (was sie nicht schaffte), stülpte die Schüssel über die Maus, griff nach Luigi und sperrte ihn ins Bad. Dann brachte ich Maus und Schüssel nach draußen und ließ den zitternden Nager frei. Anschließend durfte Luigi wieder raus, er suchte sofort die Maus, fand sie nicht und war stinksauer. Dafür knisterte es weiter hinterm Regal.
Am Abend stellte ich vorm Regal die Lebendfalle auf, am nächsten Morgen war eine Maus drin. Ich ließ sie frei, Luigi war sauer.
Am folgenden Abend kam Aurélie in die Küche, dort tummelten sich Luigi, Samson – und eine Maus. Aurélie holte die Schüssel, befreite die Maus, Luigi war sauer. Da hatte er uns innerhalb von 48 Stunden drei lebende Mäuse geschenkt, und wir haben alle Geschenke abgelehnt.
Ich bin sicher, Luigi hatte sie sich ganz anders vorgestellt, die großen Mauswochen bei McHuberth's.