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20.02.2009

Folge vom 20.02.09

Sie ist endlich wieder da, die Zeit des Frohsinns. Die Jecken sind jeck, die Narren närrisch, die Karnevalisten karnevalistisch und durch Deutschland und seine Lokalzeitungsüberschriften ziehen bunte, närrische Lindwürmer.

Darüber lässt sich trefflich herziehen. Am Stammtisch, vorm Fernseher, in Internet-Blogs. Und so geschieht es dann auch. Fastnachtshasser ereifern sich geifernd und Speichel spuckend, dass der Fasching und seine Protagonisten vollkommen verachtenswert seien. Sie sagen Dinge wie: „Diese organisierte Fröhlichkeit ist vollkommen widerlich. Nur betrunkene Menschen unterwegs, die außerhalb der Faschingszeit nie lachen und keinerlei Spaß verstehen. Aber an Fasching ist alles anders. Sie saufen, grölen, gehen fremd. Das brauche ich nicht. Ich habe auch ohne Fasching Spaß.“ Dabei gucken sie ganz verbiestert, und man mag sich gar nicht vorstellen, wie sie erst gucken, wenn sie tatsächlich Spaß haben. Mit oder ohne Fasching.

Dabei sind gar nicht alle betrunken zur Fastnachtszeit. Okay, die meisten. Aber nicht alle. Toni zum Beispiel ist stocknüchtern, hat aber trotzdem riesigen Spaß. Gut, sie ist noch nicht einmal Elf, dass sie nüchtern ist, sollte also eine Selbstverständlichkeit sein. Aber in diesen schlimmen Zeiten muss man ja schon allzu früh damit rechnen, dass die lieben Kleinen zu Bier und Schnaps greifen und sich lässig bei der Zigarette danach über ihre Qualitäten als Liebhaber auslassen.
Toni ist anders, sie ist wohlbehütet aufgewachsen, fern von Drogen und anderem Teufelszeug, ein Kind, das noch Kind sein darf. Und so hat sie für dieses Jahr auch einen Verkleidungswunsch geäußert, der für Eltern (und Stiefväter) zunächst etwas Beruhigendes hat: Sie will weder blutrünstiger Pirat, noch schießwütiges Cowgirl, noch hexende Hexe sein.

Nein, Toni will als Putzfrau gehen. Sauber, sag ich da. Sauber!
Im zweiten Moment jedoch gerät man schon ins Grübeln. Sollte dem Kind der Gedanke ans Putzen genauso abenteuerlich erscheinen wie der an die Hexerei? Haben wir sie so verwöhnt? Verhätschelt? Dem wahren Leben entfremdet? Nein, haben wir nicht. Bei uns wird selbst geputzt, wir beschäftigen keine Reinigungsfachkraft. Und Toni hat die stete Pflicht, ihr Zimmer aufzuräumen, ihre Dusche zu putzen und die Geschirrspülmaschine nach erfolgter Reinigung von sauberen Tellern und Gabeln zu befreien.

Aber so ist das: Kinder sind immer für eine Überraschung gut. Und weil das so ist, waren Aurélie und ich gespannt, als was Welpe Samson und Jungkater Luigi sich verkleiden. Neulich habe ich das Duo dabei ertappt, wie es die Köpfe zusammengesteckt und getuschelt hat. Ein paar Wortfetzen konnte ich aufschnappen, es ging um schwer erziehbare Herrchen und Frauchen, um eine Demo unter dem Motto „Rinderfilet für Hund und Kater“ und um Fasching.

„Was machen wir an Fastnacht?“, bellte Samson. „Keine Ahnung“, maunzte Luigi. „Ist doch eh nur Gesaufe, Gegröle und Fremdgegehe.“
„Aber wir könnten uns verkleiden“, sagte Samson aufgeregt. „Als Menschen. Dann dürfen wir ungehemmt die ganze Umwelt versauen. Und das Haus sowieso.“

Ich bin dann gleich losgegangen, um Toni ein Putzfrauenkostüm zu besorgen. Eins, mit professioneller Ausstattung. Sie darf jetzt bis zum Aschermittwoch den Dreck von Samson und Luigi wegputzen.
Ich glaube, sie hasst Fastnacht.