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19.09.2008

Folge vom 20.09.08

Es ist mir ein bisschen peinlich, aber ich muss mal wieder über Katzen schreiben. Sie wissen schon, diese kleinen, unberechenbaren, kratzbürstigen, falschen Viecher, die ihren Halter auf dessen Funktion als Dosenöffner reduzieren.

Was habe ich nicht schon den Kopf geschüttelt über Katzenfreunde. Kollegen, die ihre Bürowände, den Monitorhintergrund ihres PC und die Klarsichtfächer ihrer Geldbeutel mit dem pelzigen Antlitz von Hektor, Lilli, Zizou oder wie Katzen sonst so heißen mögen bestücken.

Es gibt sogar eine Katzenfreundin, die Unmengen an Geld für einen kleinen Zimmerbrunnen investierte, weil sie gehört hat, dass die Mini-Tiger daran ihre helle Freude haben könnten. Nun steht der Brunnen nutzlos im Zimmer. Und die Katzen? „Die interessieren sich einen Scheißdreck dafür“, klagt die Tierhalterin, die ihren Namen verständlicherweise nicht in der Zeitung lesen will.

Zu meinem Verdruss haben Aurélie und Toni schon mehrfach betont, dass sie Katzen über alles lieben und ihr Leben zwar sehr schön und aufregend sei, aber ohne so eine nette Hauskatze eben doch etwas ganz Entscheidendes fehle. Kurzum, wenn ich die beiden wirklich glücklich machen wolle, dann sei es absolut notwendig, dafür zu sorgen, dass eine Katze ins Haus kommt.

Ich habe dieses Ansinnen stets entrüstet zurückgewiesen. Katzen! In meinem Haushalt! Niemals! Ein Hund, okay. Hunde kann man dressieren, sie sind angenehm treudoof und zerkratzen einem nicht den ganzen Unterarm, nur weil sie auf des Herrchens Schoß liegen und es ihnen gerade einfällt, aus lauter Jux und Dollerei die Krallen auszufahren. Außerdem sind Hunde dankbar. Gib ihnen was zu fressen und sie beschützen dich ein Leben lang.

Gib einer Katze was zu fressen, und sie kennt dich nicht mehr, bis sie wieder Hunger hat. Ich mach mich doch nicht zum Affen und stehe jeden Morgen in aller Herrgottsfrühe auf, weil so eine lebende Pelzstola vorwurfsvoll maunzt und mich mit bösem Blick in die Küche verfolgt, wo ich schlaftrunken meiner Berufung nachkomme und eine Dose öffne. So weit kommt's noch! Nicht mit mir! Ha!

Dann nahte unser diesjähriger Sommerurlaub und alles hat sich geändert. Ein Bio-Bauernhof in der Toskana, Ziegen, Hundewelpen, Gänse, was es halt so gibt. Und Dutzende Katzen. Ich mochte keine davon.
Auch nicht die kleine, abgemagerte, schwarze, die uns am ersten Urlaubstag in unserem kleinen Garten maunzend begrüßte. „Geh weg!“, sagte ich.

„Oooh, komm her“, sagte Aurélie. Die Katze kam. Und sie kam nicht allein. Plötzlich bogen ihre drei Babys um die Ecke, eins kleiner und dürrer als das andere. Toni stieß einen Freudenschrei aus und gab allen flugs einen Namen. Die Mutter hieß fortan Mika, die Kinder Tikki, Mona und Anton. Vier Katzen. In meinem Ferienhausgarten. Schrecklich!

Aurélie beschloss, die Mutter zu füttern. „Die ist so abgemagert, wie soll die Milch geben? Los, geh Katzenfutter kaufen.“ Ich protestierte müde, fügte mich aber rasch in mein Schicksal und zog los. Von da an stand ich jeden Tag im Morgengrauen auf, beruhigte die maulende Mika und gab ihr zu fressen. Manchmal streichelte ich sie und die Babys sogar. Die waren ja so süß. Ich hab mich total verliebt.
Jetzt will ich auch eine Katze. Und nach Zimmerbrunnen hab' ich mich auch schon umgesehen.