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20.11.2009

Folge vom 20.11.09

Tiere machen einem ja so viel Freude. Wer wüsste das besser als ich? Eben, niemand. Und deshalb will ich Sie an dieser Freude teilhaben lassen. Es war Freitagabend, als Luigi seinen Kopf durch die Katzenklappe steckte, maunzend Hunger anmeldete und schnurstracks Richtung Fressnapf stolzierte. Wobei: Er stolzierte nicht. Er humpelte. Aus Luigi war ein Dreibeiner geworden, denn er setzte die hintere rechte Pfote nicht auf. Es sah drollig aus. Und traurig. Wir rätselten. Verstaucht? Etwas eingetreten? Wir konnten nichts entdecken und beschlossen, bis zum nächsten Morgen abzuwarten.

Der Morgen kam und mit ihm Eiterausfluss. Jetzt fanden wir auch eine Wunde, Zeit für den Tierarzt. Aurélie fuhr hin, ich ging mit Samson spazieren. Irgendwann kam Aurélie zurück, ohne Luigi. „Wird am Bein operiert“, sagte sie. „Er wurde gebissen.“ Einige sorgenvolle Stunden später holte sie unseren Kater wieder ab, er taumelte narkosegeschädigt durch die Wohnung und versuchte genervt, den Trichter abzustreifen, der um seinen Hals hing und ihn abhalten sollte, an der Wunde zu lecken.

Am Sonntagmorgen ging ich wieder mit Samson spazieren – und Aurélie mit Luigi zum Tierarzt. Nachuntersuchung. Es war viel los, sie war zwei Stunden unterwegs. Luigis Wunde sah gut aus. Wir atmeten durch. Tiere machen einem ja so viel Freude. Später ging ich wieder mit Samson spazieren. Als wir durchnässt das Haus betraten, begann er zu husten. Wenn Hunde husten, klingt das nicht schön. Erst ein lautes Röhren, dann ein heftiges Würgen. Er röhrte und würgte und würgte und röhrte. Wir informierten uns im Internet, was zu tun ist – und beschlossen, dass ein Besuch beim Tierarzt angesagt sei. Die Ärztin gab Samson eine Spritze, erkundigte sich nach Luigi, überlegte vermutlich, ob sie Aurélie endlich das Du anbieten soll und forderte uns auf, am nächsten Tag wieder zu kommen, sollte es Samson nicht besser gehen.

Es ging ihm nicht besser. Er röhrte lauter als jeder brünftige Hirsch, er würgte wie ein 15-jähriger Komatrinker im Vollrausch und er hatte uns vor allem bis vier Uhr morgens mit seinem Hustenkonzert wachgehalten. Also marschierte Aurélie wieder zum Tierarzt. Jetzt bekam Samson Antibiotika, der Husten ließ nach, er röhrte in der kommenden Nacht nur noch bis zwei Uhr. Welch' Freude.

Am Dienstag war Nachuntersuchung bei Luigi angesagt. Also, auf zur Tierärztin. Die schimpfte mit uns, weil wir nicht verhindert hatten, dass Luigi an der Wunde leckt. Also bekam er einen größeren Trichter, den wir mit einem Klebeband noch mehr erweiterten, weil wir bemerkten, dass Luigi, der Schlangenkater, immer noch in der Lage war, den Heilungsprozess mittels Lecken der Wunde zu verzögern. Nun war der Trichter größer als der Kater, der arme Kerl kam kaum noch die Treppen hoch und wackelte langsam mit dem Kopf wie einer dieser Wackeldackel auf der Hutablage eines Opel Kadett. Außerdem war er sauer, weil er immer noch nicht rausdurfte. Deshalb maunzte und knurrte der Trichter auf Beinen uns unentwegt an, Samson hustete uns was und wir waren glücklich. Denn Tiere machen einem ja so viel Freude.

Übrigens: 400 Euro hat die Tierärztin in den paar Tagen von uns kassiert. So ist das eben. Tiere sind uns lieb – und teuer.