nach oben
23.03.2009

Folge vom 21.03.09

Es ist sehr gefährlich geworden, ohne Tüte aus dem Haus zu gehen. Das war mal anders. Früher habe ich nie eine Tüte in der Jackentasche getragen. Wozu auch?

Es ergibt einfach keinen tieferen Sinn, sich mit einer Tüte zu bewaffnen und derart ausgerüstet durch die Welt zu ziehen. Natürlich könnte man nun einwenden, so eine Tüte könne durchaus gute Dienste leisten, wenn man etwa fröhlich pfeifend seines Weges geht und plötzlich eines Zentners knackig roter Äpfel angesichtig wird, die selbstverständlich nicht mehr am Baume hängen – denn dann wären sie eine verbotene Frucht –, sondern die unversehrt am Boden liegen und darauf warten, aufgeklaubt und in einer ausreichend voluminösen Tüte verstaut zu werden – dieses selbstverständlich nur vorübergehend, denn es weiß ein jedes Kind, dass Äpfel in Tüten nicht gerade jubilierend rufen, wie gerne sie doch ebendort wachsen und gedeihen und noch ein wenig roter werden, sondern dass sie von dunklen Stellen befallen ins Reich des Ungenießbaren abwandern.

Vielleicht wäre eine Tüte auch von Nutzen, um einen langen Satz wie den vorherigen hineinzustopfen, ein paar Interpunktionen hinzuzuwerfen, die Tüte ordentlich zu schütteln und einen gut strukturierten Text mit vielen kurzen Sätzen und kleinen Leseverschnaufpausen herauszuziehen.

Aber, Hand aufs Herz: Wie oft finden wir leckere Äpfelchen am Wegesrand? Oder Schachtelsätze und danebenliegende frei verfügbare Satzzeichen? Viel zu selten, als dass sich damit das ständige Bei-Sich-Führen einer Tüte rechtfertigen ließe.

Ziehen wir also ratzfatz ein Fazit und rufen es laut in die Welt: Nach allen Regeln der Wahrscheinlichkeit ist es nicht sehr sinnvoll, sich im Alltag mit dem Ballast einer Tüte zu beschweren.

Und doch gehe ich ohne Tüte nicht mehr aus dem Hause. Schuld daran ist Samson, unser mittlerweile fünfeinhalb Monate alter Hund, der nicht nur einen ausgeprägten Spieltrieb, außerordentlich hohe Intelligenz und ein wuscheliges Fell sein Eigen nennt, sondern obendrein über einen regen Stoffwechsel verfügt.

Das kleine Geschäft („Samson, mach' Pipi!“) ist dabei kein Problem, ein paar Tröpfchen hier, ein Rinnsal dort, das tut nicht weh. Doch wehe, Samsons Darm bereitet Auswurf vor . . . dann geht alles ganz schnell: Ein paar Trippelschritte, kurzes Drehen im Kreis, Hinterbeine leicht geknickt, leidender Blick – und schon hat er sich gelöst, wie es im euphemistischen Sprachgebrauch der Hundebesitzer heißt.

Tatsächlich liegt hernach ein dampfendes Häuflein Kot am Boden. Meist auf irgendeinem Acker, wo es gerne seiner düngenden Wirkung nachgehen darf.

Aber in eiligen Fällen eben auch am Wegesrand, oder, noch schlimmer, mitten auf dem Gehsteig. Das ist mindestens unschön, bei genauerer Betrachtung sogar eklig. Also muss es weg das Zeugs – ab in die Tüte.

So kommt es, dass ich mit erschreckender Häufigkeit miefenden Hundescheiß vom Boden kratze und mit meinem stinkenden, an der Hand schlenkernden Säckel (ich meine die Tüte, nicht den Hund) den Heimweg antrete.

Ich glaube, in Zukunft muss Toni den Kot-Aufklaubdienst verrichten, wozu lebt ein Kind im Haushalt. Kann ja wohl nicht sein, dass ich, der Herr des Hauses, mich dauerhaft derart entwürdige. Nein, das kommt gar nicht in die Tüte.