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21.08.2009

Folge vom 22.08.09

Unsere Nachbarn sind im Urlaub. Oder in den Ferien. Oder einfach weg. Ich weiß nicht genau, wie man das bei Rentnern nennt, denn Urlaubstage im eigentlichen Sinn haben sie ja nicht. Jedenfalls ist unser Nachbarhaus leer, die braunen Holzrollläden heruntergelassen, der Garten vereinsamt. Und das schon seit mehr als vier Wochen. Denn unsere Nachbarn verbringen den Sommer in einem Häuschen auf den Höhen des Nordschwarzwalds. Dort ist es nicht so heiß, erst recht nicht so schwül und damit auch für empfindliche Naturen gut zu ertragen.

Nun sind vier Wochen eine lange Zeit, da braucht vor allem so ein Garten zwischendurch ein wenig Pflege. Gerade im Sommer.
Ich weiß, was Sie jetzt denken. Sie denken: „Ha! Der Huberth! Kommt kaum mit seinem eigenen Garten klar, und jetzt muss er sich auch noch um Nachbars kleines, grünes Paradies kümmern. Der hat doch bestimmt alles verdorren lassen.“

Tja, Sie irren. Ich habe nichts verdorren lassen. Was daran liegt, dass unsere Nachbarn mich gar nicht mit der Gartenpflege betraut haben.
Keine Ahnung, warum sie auf meine nachbarschaftlichen Dienste verzichteten. Misstrauen? Nur weil sie mal beobachtet haben, wie uns ein Rhododendron vor dem Haus beinahe eingegangen wäre, weil wir konsequent vergessen haben, den Vorgarten zu gießen?

Müßig, sich darüber Gedanken zu machen. Tatsache ist: Ich muss mich nicht um Nachbars Garten kümmern, sondern nur um den eigenen. In dem stand ich eines Sommersonntagmorgens, den Schlauch in der Hand, die Sonne im Gesicht und ließ einen erfrischenden Strahl kühlen Wassers auf unser von wenigen Lupinen, noch weniger Ritterspornen und jeder Menge grünen Krauts bevölkertes Beet rieseln.

Meine Familie schlief noch, wie es eben so ihre Art ist an einem Sommersonntagmorgen um 10 Uhr, lediglich Kater Luigi wagte sich in den Garten, nahm aber sofort Reißaus, als er das Wasser plätschern hörte. Er ging mit Mäusen spielen, ich goss weiter. Einsam. Still. Gedankenverloren.

Bis aus dem Nachbargarten eine liebliche Stimme rief: „Opiiiiiii!“ Ich wollte schon entrüstet antworten, dass ich trotz meiner grauen Haare noch weit davon entfernt sei, wie ein Opa auszusehen, und mir deshalb eine derart respektlose Anrede verbitte, als die liebliche Stimme weitersprach: „Ich will auch mal.“

Eine dunkle Stimme, die wohl zu dem Mann gehörte, der im Auftrag unserer Nachbarn unterwegs war, antwortete: „Nein, Jessica, das geht nicht.“
„Ach Opi, biiitteeeeee.“
„Na gut, Jessica, aber pass auf.“
Natürlich passte Jessica nicht auf. Dreijährige Mädchen haben keine Lust, aufzupassen. Sie wollen Spaß und sie wollen mit dem Gartenschlauch keine Blumen gießen, sondern allerlei Schabernack treiben. Zum Beispiel wild damit herumwedeln. Oder ihn in Richtung Nachbargarten halten.

Das tat Jessica dann auch. Und zwar so konsequent, dass ein kleiner, feuchter Sprühregen auf mich tröpfelte. Durchaus angenehm in der sommerlichen Morgenwärme.

„Jessica“, rief nun der Opa, „was machst du da? Du musst aufpassen. Was, wenn du jemanden triffst? Hm? Was machst du denn dann?“
„Dann“, sagte da das kleine schlaue Mädchen Jessica, „dann sage ich ganz einfach: 'Das war der Opi.'“