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25.01.2010

Folge vom 23.10.10

Es war höchste Zeit, die Notbremse zu ziehen und meiner fortwährenden, überaus mysteriösen Gewichtszunahme Einhalt zu gebieten. Zu diesem Zwecke, das war mir klar, musste ich mich in die Niederungen der sportlichen Aktivitäten begeben. Und so verkündete ich eines Abends in der heimischen Wohnstube: „Aurélie, ab morgen mache ich Sport. Und du musst mitmachen, weil das alleine einfach nicht klappt.“

„Was für Sport?“ „Tollen Sport.“ Am nächsten Tag kaufte ich einen Tischkicker.

Ich hatte mir vorgestellt, das Ding zu kaufen, es aufzustellen und sofort loszulegen, um den gewünschten Kalorienabbau nicht länger zu verzögern. Doch leider war das mit dem Aufstellen so eine Sache: Der Tischkicker wog nicht nur satte 80 Kilo (und damit deutlich weniger als ich), sondern er kam auch noch völlig demontiert bei mir an und wollte aufgebaut werden.

Nicht schön. Aber es half ja nichts, mutig machte ich mich ans Werk, riss behände die diversen Pakete auf und verschaffte mir einen ersten Überblick: Seitenteile platzieren, Kickerstangen einhängen, aber bitte richtig herum, die Bodenplatte von unten einfügen. Klingt einfach, ist es vermutlich auch – aber eben nicht für mich. Ich fand den Aufbau kompliziert, anstrengend und entnervend. Nach drei Stunden ging ich völlig erschöpft ins Bett, der Kicker stand noch immer nicht auf seinen eigenen vier Beinen, sondern ruhte, das Hinterteil nach oben gestreckt, auf dem Boden.

Am nächsten Abend kam ich von der Arbeit, huschte an Aurélie und Toni vorbei und sauste flugs in den Keller, wo mein Tischkicker mich schon sehnsüchtig erwartete. Nach einer weiteren Stunde waren sämtliche Rumpfarbeiten erledigt, die Stelzen angeschraubt, der Kicker fast bereit, bespielt zu werden. Also drehte ich ihn um, festen Willens, ihn auf die Füße zu stellen. Doch als das mächtige Gerät hochkant vor mir stand und ich erstmals des Spielfelds angesichtig wurde, überkam mich eine unheilvolle Ahnung. Ich sah genauer hin. Dann schrie ich.

Es war nicht so ein Schrei, wie man ihn aus Horrorfilmen kennt, schließlich ging es nicht um mein Leben. Eher so ein glucksender Schrei, ein bisschen weibisch, wie ich fürchte. Unmännlich halt. So, als habe eine Maus den Weg eines schreckhaften Mütterchens gekreuzt. Es war sehr peinlich, und deshalb möchte ich eigentlich gar nicht darüber reden.
Peinlich hin, peinlich her, es hatte natürlich einen guten Grund, dass ich mich so feminin gebärdete. Der Grund war dieser: Ich hatte die Kickerstangen falsch herum eingebaut. Alle Spieler guckten in Richtung eigenes Tor. Ein taktisches Durcheinander, das Bayern-Fans in dieser Saison zwar bekannt vorkommen mag, das ich auf meinem Tischkicker aber keinesfalls zu akzeptieren bereit war. Ich wusste: Diese Taktik muss weg, die Kickerstangen richtig herum eingesetzt werden.
Das Problem: Der Aufbau des Tisches umfasste 32 Schritte, von denen ich bereits 28 hinter mich gebracht hatte. Der Einbau der Stangen war in Schritt zwei erfolgt. SCHRITT ZWEI!!! Ich schrie noch einmal.
Dann baute ich den Tisch auseinander, baute ihn komplett zusammen und fiel vier Stunden später wieder erschöpft ins Bett.
Nur zum Sporttreiben war ich noch immer nicht gekommen.