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24.01.2009

Folge vom 24.01.09

Vermutlich sind wir böse Katzeneltern. Kaum war unser Katerchen Luigi da, mussten wir ihn auch schon einen ganzen Tag lang allein lassen. Das taten wir nicht gern, aber uns blieb keine andere Wahl. Leider.

Wir mussten nämlich nach Stadtlohn fahren. Stadtlohn müssen Sie nicht kennen, es zählt gerade mal gut 20 000 Einwohner, liegt im westlichen Münsterland im Kreis Borken, und es sollen schon Füchse und Hasen gesichtet worden sein, die beim gegenseitigen Gute-Nacht-Sagen vom Schlaf übermannt wurden und zu schnarchen begannen.

Aber, und das sollte man nicht unterschätzen, Stadtlohn ist eine Hochburg der Elo-Zucht. Dazu ist es nun nötig zu wissen: Was ist eigentlich ein Elo? Da stelle mer uns janz dumm und sage so: Ein Elo is eine Hund, datt noch ziemlisch neu is. Oder für die Freunde ausführlicherer Erklärungen: Der Elo ist eine vor rund 20 Jahren gegründete Hunderasse, eine Mischung vor allem aus Eurasier, Chow-Chow und Bobtail. Familienfreundlich soll er sein, kaum noch Jagdtrieb haben, wenig bellen, Frauchen und Herrchen keine sportlichen Höchstleistungen abverlangen, dafür ist er leicht erziehbar, gehorsam und unkompliziert. Also perfekt für uns.

Nach kaum fünf Stunden Autofahrt kamen wir in Stadtlohn an, im Gepäck eine weiche Decke, kiloweise Leckerli, einen Reisenapf mit Wasser, Küchentücher für den Fall eines Malheurs und eine aufgeregte Toni, die es kaum erwarten konnte, das neue Familienmitglied in Empfang zu nehmen.

„Samson“, rief sie, als wir die Grenzen Stadtlohns passierten, „wir kommen.“ Den Namen Samson hatte Toni vorgeschlagen. Sie hatte Fotos von dem Welpen gesehen, den Aurélie und ich vier Wochen zuvor ausgesucht hatten. Er war klein und wuschelig, bald ist er groß und wuschelig, und spätestens dann sieht er aus wie Samson aus der Sesamstraße.

Samson tappte traurig hinter uns her, weg von der Mama, weg von den Geschwistern, weg von Frauchen und Herrchen. Sein dickes Hinterteil wankte von links nach rechts, und er sah uns unsicher an. Wir rechneten mit einer dramatischen Heimfahrt, fünf Stunden auf der Autobahn, einen winselnden, pinkelnden und womöglich sich übergebenden Welpen auf der Rückbank. Doch der Kleine kuschelte sich alsbald zufrieden an Aurélie, verzehrte gierig die ihm dargebotenen Leckerli, verrichtete sein kleines Geschäft nur in den von uns dafür vorgesehenen Pausen auf den Autobahnparkplätzen der Nation, genoss die Fahrt und winselte nicht ein einziges Mal. Ein vorbildliches Tier.
„Vorbildlich, das Tier“, sagte ich glücklich zu Aurélie. Sie nickte glücklich. Toni nickte auch glücklich. Samson nickte auch glücklich.

Luigi nickte kurz darauf nicht glücklich. Er nickte gar nicht, sondern war erst beleidigt, dann machte er einen steilen Buckel, er fauchte und schlich sich vorsichtig an Samson heran, als dieser die Wohnung betrat. So standen sie sich gegenüber. Samson wedelte mit dem Schwanz, Luigi fauchte. Samson war neugierig, Luigi sauer. Samson wollte den Kater beschnuppern, Luigi wollte dem Hund eine scheuern. Was er dann auch tat.
Damit war das Eis gebrochen.

Seither jagen sie sich entweder durch die Wohnung. Oder sie schlafen. Oder sie fressen. Oder sie scheiden ihr Fressen wieder aus. Oder sie jagen. Oder . . . Ehrlich, Tiere bereichern das Leben total. Ächz.