nach oben
26.07.2010

Folge vom 24.07.10

Es könnte so einfach sein: Ein Elo-Weibchen einladen, Samson eine halbe Stunde mit ihr allein im Garten lassen und dann – zack! – sind sie gemacht, die lieben kleinen Wuschel-Welpen. Doch da sei die Elo-Zuchtverordnung vor.

Die Elo-Zuchtverordnung verlangt, dass jeder Elo, der den Freuden der körperlichen Liebe zwecks Vermehrung frönen will, sich vorher testen lassen muss. Ist der Gang elegant, der Schwanz von richtigem Wuchs und vor allem: Ist das Wesen des zukünftigen Zuchthundes so, wie es sich für einen Elo geziemt? Also jederzeit gutmütig, frei von Aggression gegen Mensch und Hund, stets bereit, zum fröhlichen Spiel, ignorant gegenüber Kaninchen und anderem Getier, das zu jagen sich lohnen könnte? Das alles gilt es zu überprüfen und erst dann ist an ein Schäferstündchen unter Hündchen zu denken. Vorausgesetzt natürlich, die Tiere sind gesund.

Es war ein heißer Sonntag, an dem wir Samson frisch gestriegelt ins Auto packten und uns auf den Weg zur Zuchtbeurteilung machten. Irgendwo im Niemandsland der Pfalz, weitab jeder Zivilisation, fanden wir schließlich ein kleines Dorf, dessen Hauptattraktion auf folgenden Namen hört: Elocampus.
Nun bringt es eine Zuchtbeurteilung mit sich, dass viele Hunde aufeinander treffen. Rüden – alle jung und potent –, Weibchen, alle unkastriert und gut duftend. Die meisten Elos nehmen das mit einer gewissen Gelassenheit hin. Schnüffeln hier, schnuppern dort, alles völlig easy. So friedlich, so relaxed, man könnte fast meinen, die lieblichen Vierbeiner hätten sich im Elocampus zum Rudel-Kiffen verabredet und ließen entspannt ein paar Tüten rumgehen.
Samson ist da anders. Er hält nichts von Drogen. Und noch weniger von potenten Rüden. Also legte er sich gleich mal mit ein paar der sanftmütigen Gesellen an, stellte sich hier in den Weg, ließ dort ein Knurren vernehmen und führte sich auf wie der letzte Prolet. Die anderen ließen sich nicht provozieren, getreu dem Motto, dass ein kluges Wort jeder Schlägerei vorzuziehen sei. Samson tat, was jede Dumpfbacke in solchen Moment tut: Er proletete noch heftiger.

Wir waren peinlich berührt, ist schließlich nicht schön, wenn einen die Kinder blamieren und so tun, als hätten sie keinerlei Erziehung genossen. Deshalb riefen wir Samson, lockten, schmeichelten, brüllten, drohten mit Fernsehverbot und Stubenarrest – allein, es half nichts. Samson hatte eine Mission zu erfüllen und die hieß: Ich lege mich mit jedem an.

Irgendwann schafften wir es, unsere Bestie an die Leine zu nehmen. Erleichtertes Aufatmen allenthalben, anschließend wieder entspanntes Tütenkreisenlassen.
Nur wir waren weiter im Dienst. „Spielt mal ein bisschen mit Samson, werft Bälle, er soll sie holen und euch bringen.“ Wir warfen – und Samson sah uns an, als seien wir nicht richtig im Kopf. Viel zu heiß, um nach Bällen zu rennen. Außerdem: Warum mit Bällen spielen, wenn er doch Rüden klatschen kann? Und schon rannte er wieder in Richtung der fröhlichen Elo-Runde.

Am Ende des Tages hielt Samson trotzdem seine Zuchttauglichkeitsbescheinigung in den Pfoten. Vorzügliches Äußeres, erhebliche Punktabzüge beim Wesen. Immerhin erhielten wir später Trost von einer, die es wissen muss: Eine Hundetrainerin sagte uns, dass Samson einen leicht übersteigerten Sexualtrieb hätte: „Potente Rüden und Weibchen auf einem Haufen – das hält er einfach nicht aus, da könnt ihr trainieren wie ihr wollt.“
Da hilft wohl nicht mal kiffen.