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30.04.2009

Folge vom 25.04.09

Es gibt nur wenig, was mich ähnlich fasziniert wie ein Besuch im Baumarkt. Dort sehe ich Maschinen, die mir in etwa so unbekannt sind wie die Bodenbeschaffenheit auf dem Merkur. Annähernd genauso prickelnd ist bestenfalls die Stippvisite im Gartencenter.

Frohen Mutes chauffierte ich Aurélie und mich auf den kostenfreien Parkplatz eines solchen Pflanzenetablissements und bewunderte schon von weitem die grüne Hauptfarbgebung und die im Freien auf Käufer lauernden Buchsbaumkugeln und Terracottaengelchen.

„Herrlich“, sagte ich, eilte zu den Gartencenter-Einkaufswagen, die sich grundsätzlich von den Supermarkt-Einkaufswagen unterscheiden. Im Gartencenter-Einkaufswagen gibt es nämlich gleich zwei Drahtkörbe, beide flach, einer oben, einer unten. Das ist sehr geschickt, denn auf den zwei Ebenen finden Dutzende Pflanzen Platz, viel mehr, als in einem herkömmlichen Supermarkt-Einkaufswagen. Dazu kommt noch eine stattliche Ablage für allerlei Kleinkram wie Handharken oder Minischaufeln oder Samentütchen, wie man sie im Garten täglich braucht.

Stolz schob ich den Wagen durch den Laden, ließ meinen Blick hierhin schweifen und manchmal auch dorthin. Faszinierende fremde Welt!
Ich habe nämlich keine Ahnung von Pflanzen, kann einen Baum nur mit Mühe von einer Blume unterscheiden. Und so entwickelte sich eine anregende Unterhaltung zwischen Aurélie und mir.

„Was ist das?“, wollte ich wissen.
„Lavendel“, sagte Aurélie.
„Hübsch“, sagte ich. „Und das?“
„Rittersporn.“
„Toll. Und das dort drüben?“
„Das ist ein Kaktus, du wirst doch wohl noch einen Kaktus erkennen!“
„Klar, war nur ein Scherz“, log ich.

So lustwandelten wir über die breiten Gänge. Aurélie packte dort was in den Wagen und verfrachtete hier was in den Korb, allerlei kleines Grünzeugs mit Etiketten dran, auf denen lateinische Namen stehen, die ich nicht einmal aussprechen, geschweige denn übersetzen kann.

Bald wurde mir ein wenig langweilig, und ich beschloss, meiner eigenen Wege zu gehen. Ich passierte die Grills und sah mich mit weißer, blutverschmierter Schürze auf der Terrasse stehen und virtuos Steaks herumwirbeln, bewunderte bauchige Schubkarren und landete schließlich bei den Gartengeräten. Spaten, Harken, Rechen. Den ganzen Kram ignorierte ich geflissentlich. Dieses Zeugs ist nicht sexy. Rasenmäher dagegen sind sexy. Dieser heiße Duft nach Benzin, dieses laute Röhren wie ein Elch in der Brunft. Diese Kurven, diese scharfen Klingen, die erbarmungslos in saftiges Gras schneiden . . . unwillkürlich begann ich zu sabbern.

Ich kroch gerade vor den Rädern eines Luxus-Mähers herum (Vier-Rad-Antrieb, 6 PS, Stahlgehäuse, etc.), als zwei schlanke Beine vor mir zum Stehen kamen. „Was soll das?“, fragten die Beine. Aurélie! „Nix“, sagte ich. „Hab nur einen Rasenmäher gefunden. Kostet gerade mal 749,99 Euro.“

„Vergiss es. Viel zu teuer.“
Eine Stunde später habe ich unseren neuen Elektromäher ausgepackt. Er war günstig. Aber ach: Kein Röhren. Kein Benzinduft. Kein Sexappeal. Ein Mädchen-Mäher. Jetzt will ich wenigstens einen Spitzenklasse-Gartenschlauch. Prall und lang und mit einer prima Spritzdüse.
Alles eben, was ein Mann gern hätte.