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25.09.2009

Folge vom 25.09.09

Es gibt viele gute Gründe, das Ende des Sommers zu bedauern. Ich könnte sie nun aufzählen, aber wie sähe das denn aus? Gejammer, Genörgel, Gebruddel! Nur weil's nicht mehr so warm ist und die Mädels lange Hosen statt kurzer Röcke tragen? Derlei Gewinsel wäre, wenn man mal ehrlich ist, reichlich albern. Zumal auch der Herbst seine schönen Tage hat.

Erwähnen möchte ich aber doch, dass mit dem Sommer noch etwas anderes zu Ende geht: die Grillsaison. Die hat mich bislang nie sonderlich interessiert. Mangels Grill. Doch in diesem Jahr war alles anders. Denn seit einigen Monaten bin ich stolzer Besitzer eines Kugelgrills. Ein Riesengerät, größer als jeder Medizinball, mit dem mich einst mein Sportlehrer, Herr Scheuerpflug, bis in meine Albträume verfolgt und gequält hat. Dabei war Herr Scheuerpflug eigentlich ein ganz netter Kerl. Nur leider ein wenig militärisch geprägt. Schwer vorstellbar, dass er, der Asket, einst am Lagerfeuer saß und seine Zähne gierig in ein Spanferkel hieb. Oder sich am Kugelgrill vergnügte.

Ich bin da anders. Kein Asket. Und deshalb habe ich ihn oft bereitgestellt, meinen Kugelgrill, ihn mit glühenden Kohlen gefüllt, den Rost rauf- und runtergemacht, ihn beschmutzt und gesäubert, gepeinigt und gehätschelt.

So auch am vielleicht letzten schönen Wochenende dieses Jahres, zum Abschied des Sommers, zur Begrüßung des Herbstes. Fröhlich rollte ich meinen hitzigen Helfer auf die Terrasse, entledigte ihn seiner schützenden Haube, die Regen und Wind abhält und dafür sorgt, dass er in kühlen Nächten nicht frieren muss, der Arme. Schließlich mag er es schön warm.

Ich betrachtete meinen bauchigen Gehilfen, der noch voluminöser ist als ich, was mit ein Grund für meine tiefe Zuneigung ist. Nie würde er mich ein Dickerchen heißen, weil er nämlich selbst eins ist. Na ja, und weil er, der Grill, nicht sprechen kann. Versonnen löste ich meinen Blick von ihm und begab mich in die Küche zwecks Vorbereitung der zu grillenden Lebensmittelkompositionen.

Vegetarische Spieße für Aurélie – wie kann man so was nur essen? –, Putenschnitzel für Toni und mich. Und bevor nun die ersten aufschreien, wie man das nur machen könne, Putenschnitzel auf den Grill, das sei doch zum Scheitern verurteilt, eine trockene Angelegenheit, zäh wie Leder, dem sei gesagt: Unter der Kugel wird's delikat, zart und saftig, jawoll.

Ich klopfte also, ich würzte und ich spießte, begutachtete zwischendurch die Kohlen, die sich im Zustand glühendster Erregung befanden, und schaffte schließlich die Schnitzelchen auf den Terrassentisch, auf dass ich in der Küche ausreichend Platz für weitere Arbeiten fände. Sie wissen schon, Salate und so Zeugs.
Ich glaube, Salate werden überschätzt. Soooo gesund sind die bestimmt nicht. Und außerdem lenken sie nur ab vom Wesentlichen. Wer Salate zubereitet, vergisst zum Beispiel, dass Katzen Fleisch mögen und keine Probleme haben, Tische zu erklimmen. Selbst solche, die auf Terrassen stehen.

Und so traf mich fast der Schlag, als ich fröhlich die Salatschüssel nach draußen beförderte und Luigi auf dem Tisch kauern sah, zufrieden unsere Schnitzel kauend. Luigi sah mich an, wunderte sich einen Moment, warum ich brüllte, und kaute genüsslich weiter, bis fast nichts mehr übrig war vom Schnitzeltraum. Die vegetarischen Spieße waren dann echt okay.