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26.02.2010

Folge vom 26.02.10

Mein Vater ist nun Rentner. Das bedeutet vielerlei. Erstens: Ich bin alt. Wenn der eigene Vater die Arbeit niederlegt, weil er das entsprechende Alter erreicht hat, dann ist klar, dass auch der Sprössling kein Jungspund mehr ist, der fröhlich und sorgenfrei durchs Leben hüpft, als gäbe es keine morschen Knochen, keine wackligen Gelenke und keine verfetteten Gewebestrukturen. Natürlich gibt es Ausnahmen, Männer, die noch mit 80 ein Kind zeugen. Aber dies ist nicht die Zeit, von Exoten zu sprechen, sondern vom normalen, deutschen Alltag. Und der bedeutet: Ich bin alt.

Zweitens: Mein Erbe ist in größerer Gefahr denn je. Schon seit Jahren bemerke ich eine gefährliche Entwicklung im Leben meiner Eltern – sie reisen gerne und oft und für viel Geld. Dieses Geld könnte man sicherlich auch sinnvoller anlegen. Etwa auf einem Sparkonto mit meinem Namen. Oder es zumindest nicht ausgeben, damit später, in 30 Jahren, auch noch was für mich übrig bleibt. Nun steht aber zu befürchten, dass die Reiselust meiner Eltern ungeahnte Ausmaße annimmt. Denn sie haben alle Zeit der Welt – und wie nutzen sie die? Sie reisen um die Erde und verprassen mein Erbe.

Drittens: Ich bin geistig gefordert. Um mein Erbe zu sichern, benötige ich Strategien, die dem Verfall meines zukünftigen Wohlstandes entgegenwirken. Etwa, meinen Eltern kostengünstige Alternativen anzubieten. Das hat im Vorjahr schon gut geklappt. Aurélie, Toni, Samson und ich waren in Italien, meine Eltern haben in dieser Zeit bei uns Urlaub vor den Toren des Nordschwarzwalds verbracht und waren gleichzeitig in der Nähe der Pfalz. Kurzum: Sie durften sich gleich in zwei beliebten Urlaubsgebieten der Nation tummeln – und obendrein noch auf Luigi aufpassen und sich über den kleinen, schwarzen Kater amüsieren. So etwas trägt sehr zur Erholung bei. Außerdem war der Urlaub billig. Ich bin bereit, dieses Programm für meine Eltern auszubauen.

Viertens: Ich muss meine Computerkenntnisse vertiefen. Mein Wissensstand in Sachen PC und Internet ist bestenfalls als durchschnittlich zu bezeichnen. Ich komme für den Hausgebrauch klar, bin aber nicht in der Lage, plötzlich auftretende Probleme zu lösen. Doch nun ist ein plötzliches Problem aufgetaucht: Mein Vater hat neuerdings einen eigenen Laptop (Stichwort: verprasstes Erbe) und tummelt sich mit Vorliebe im Internet, womöglich, um dort Geld für neue Fernseher, Weinkühlschränke oder Urlaubsreisen auszugeben. Nun benötigt er ständig meinen fachmännischen Rat. Manchmal klappt das, etwa, wenn ich ihm eine E-Mail-Adresse einrichten soll oder erkläre, wie Google funktioniert. Oder wenn ich ihm versichere, dass er auf gar keinen Fall irgendwas im Internet kaufen soll. Manchmal scheitere ich aber auch. Das ist nicht gut. Am Ende sucht er sich einen anderen Fachmann, der ihn womöglich darauf hinweist, dass es manchmal gar nicht so schlecht ist, Geld im Internet auszugeben.

Fünftens: Ich muss mich umstellen. Mein Erbe ist zweitrangig, wichtig ist, dass meine Eltern ihr Rentnerdasein genießen können. Diese Erkenntnis zu verinnerlichen, bedarf es viel menschlicher Größe. Und es ist unendlich mühsam. Aber ich arbeite daran. Sollen sie Spaß haben, egal was es kostet. Es ist schließlich ihr Leben.

Sechstens: Es gibt viele günstige Angebote speziell für Rentner. Ich helfe gerne suchen.