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25.07.2008

Folge vom 26.07.08

Nun sind ja endlich Ferien. Also, endlich aus Sicht der Kinder. Und der Lehrer. Und damit aus Sicht von Toni und Aurélie. Was mich angeht, so ist das mit den Ferien eine eher zwiespältige Sache.

Es ist nicht schön, morgens aufstehen zu müssen, während Frau und Kind noch faul in den Federn liegen, bestenfalls ein unwilliges Knurren von sich geben, wenn man zum Abschied in die jeweiligen Zimmer schleicht.

Und wenn man dann nachmittags kurz anruft, um sich nach dem Befinden zu erkundigen, nach dem Grad des Ausgeschlafenseins, nach dem Fortschritt bei der Bewältigung der zu erledigenden Aufgaben (meine Hemden bügeln, den Haushalt auf Vordermann bringen, Ente à l'orange zubereiten) – wenn dann nur der neu besprochene Anrufbeantworter erklingt, auf dem Toni gefühlte zwei Minuten lang grell auf der Blockflöte dudelnd das Anruferohr quält, dann ist das mindestens so unschön, wie dieser lange, verschachtelte Bandwurmsatz.

Abends stellt sich – natürlich – heraus, dass das muntere Ferienduett den Tag weder am Bügelbrett noch mit der Zubereitung eines leckeren Federviehs verbracht hat, sondern sich im Freibad dem süßen Nichtstun, dem erquickenden Müßiggang, dem faulen Rumgeliege gewidmet hat.
Die Hemden liegen ungebügelt in der Ecke, die Ente schwimmt noch fröhlich im Teich und meine Damen schauen mich verständnislos an, wenn ich von meinem anstrengenden Tag erzähle.

„Wieso anstrengend?“, fragen sie. „Sind doch Ferien.“ Und dann wollen sie wissen, ob ich ihnen nicht ein kleines Mahl zubereiten könne, schließlich sei so ein Tag im Schwimmbad ermüdend, das viele Chlorwasser und die sengende Sonne, Tonis Spielkameraden, die mit erschreckender Kondition das arme Kind immer wieder gezwungen hätten, sich zu Ballwerf-, Wasserjagd- oder Riesenrutschenspielen ins Becken zu begeben, um sich dortselbst zu verausgaben.

Deshalb sei es ihr, so Toni, unmöglich, heute auch nur einen Finger zu rühren und sie bitte dringend, Rücksicht auf ihren geplagten Körper sowie die ermattete Seele zu nehmen. Zumal sie sich ja schon wieder vorbereiten müsse auf die Torturen des folgenden Tages. Sie habe sich nämlich aufs Neue mit ihren Freunden verabredet und ich könne mir sicherlich gut vorstellen, was das bedeutet.

Konnte ich zwar nicht, aber ich war zu müde, um mich auf längere Diskussionen einzulassen. Deshalb wandte ich mich an Aurélie:
„Und du? Du hast ja wohl keine Ballspiele oder Riesenrutschenfahrten absolviert! Könntest du dich bitte ums Essen kümmern?“
„Nö.“
Dann führte sie aus, dass sie die Last der Verantwortung zu tragen habe, schließlich sei Toni erst zehn, da müsse man schon noch aufpassen. Schlimmer sei das, als wenn man einen Sack Flöhe zu hüten hätte. Ich hätte ja gar keine Vorstellung davon. Und dann den ganzen Tag in der Hitze zu verbringen, das sei nun wirklich kein Spaß.
„Du sitzt den ganzen Tag in deiner klimatisierten Redaktion und tippst ein bisschen vor dich hin. Ehrlich, wenn ich könnte, würde ich tauschen. Kann ich aber leider nicht.“ Mit diesen Worten ließ sie sich aufs Sofa fallen, seufzte tief, sah mich an und sagte: „Ich habe Hunger.“
Hoffentlich sind die Ferien bald vorbei.