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26.09.2008

Folge vom 26.09.08

Der Italiener als solcher, das darf man ruhig so pauschal sagen, ist klein von Wuchs, ein von Mama verwöhnter Fratz und ein saumäßiger Autofahrer. Ja, der Italiener als solcher fährt noch abenteuerlicher als die durchschnittliche deutsche Frau.

Nun könnte man es bei dieser Feststellung belassen, der wohl kaum jemand widersprechen mag, außer vielleicht dem einen oder anderen uneinsichtigen Italiener. Und falls Weibsvolk unter euch ist, das die Stimme mahnend und gleichsam ablehnend erheben will, so haltet ein: Ihr fahrt wirklich besser als der Italiener als solcher.

Indes – ich möchte der puren Feststellung, dem flüchtig notierten Fakt, der provozierend dahingeworfenen Tatsache noch weiteres hinzufügen. Und das mit gutem Grund: Mir ist gerade danach.

In Italien, und das ist kaum überraschend, wimmelt es von Italienern. Sie sitzen in Cafébars und lassen den lieben Gott einen guten Mann sein. Oder sie harren am Strand der Touristen, die da kommen, und die in zwei Liegen zuzüglich Sonnenschirm täglich eine Mietgebühr von 35 Euro entrichten. Oder sie stehen in Souvenirshops, wo sie Deutschen Originalmuscheln mit Originalmeeresrauschen, made in Taiwan, für den Preis eines gebrauchten Mittelklassewagens verkaufen.

Sie machen also all das, wofür wir sie so lieben und weshalb wir Jahr für Jahr in Scharen übern Brenner fahren oder auch durch den Gotthard-Tunnel, wo wir zwei Stunden warten und über dieses vermaledeite, Land gewordene Hindernis namens Schweiz schimpfen. Wir mögen es einfach, wenn der Italiener dem Müßiggang frönt, uns ausnimmt oder übers Ohr haut. Solange er das macht, ist alles gut.
Denn solange er das macht, fährt er nicht Auto.

Ich war schon einige Male in Italien, und ich werde wieder hinfahren, denn Italien ist ein großartiges Land mit großartigen Menschen, abgesehen vielleicht von ihrem seltsamen Wahlverhalten. Aber Schwamm drüber.

Woran ich mich jedoch nie gewöhnen werde, ist die Art, wie der Italiener als solcher hinterm Lenkrad seines alten, mit Ferrariaufklebern übersäten Fiat sitzt und im Vollgasmodus auch durch engste Bergkurven braust und dort überholt, als gäbe es kein Morgen.

Dazu ist es angebracht zu sagen, dass ich selbst kein Zauderer am Steuer bin; gestählt von Schwarzwaldserpentinen können mir so ein paar beschauliche Toskanahügelchen nichts anhaben. Beleg dafür mögen regelmäßige Rufe von meiner Beifahrerinnenseite sein, die mich mit hysterischer Note dringlich auffordern: „Fahr langsamer.“

Oder das klägliche Häufchen Elend vom Rücksitz, das, gleichzeitig zur Spucktüte greifend, zittrig verkündet: „Mir ist schlecht.“

Dennoch bleibt es dabei: Verglichen mir der Fahrweise des Italieners als solchem bewege ich mich durch die Gegend wie auf einem Tretroller mit Reifenschaden. Gemütlich, gesittet, ungefährlich.

Das hat sogar Aurélie zugegeben. „Im Vergleich zu den Italienern fährst du richtig gemütlich. Und gesittet. Und ungefährlich“, sagte sie am dritten Tag unserer diesjährigen Italien-Reise. Und Toni hat sich kein einziges Mal wegen mir übergeben. Nur dreimal, weil sie zu viel Pizza, Pasta und Eis gegessen hat. Italienisches Eis. Das beste der Welt.
Ach, ich liebe dieses Volk. Wenn es nicht gerade Auto fährt.