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29.06.2009

Folge vom 27.06.09

Männer und Frauen unterscheiden sich grundlegend. Jungs und Mädchen auch. Letzteres zeigt sich insbesondere bei der Planung des Kindergeburtstags.

Als ich elf Jahre alt wurde, wollte ich sofort feiern. Sofort feiern bedeutet, sofort Geschenke zu kassieren. Bücher, Hörspielkassetten und unnützen Krimskrams, den man ein halbes Jahr später auf dem Flohmarkt würde zu Geld machen können. Oder, wie ich, etliche Jahre aufheben, ehe das Zeugs in den Müll fliegt.

An die Gestaltung meines Geburtstags hatte ich keine großen Ansprüche. Ein paar Freunde einladen, im Idealfall von meinen Eltern zu einem Grillplatz gefahren werden, dort ein paar Wettspiele veranstalten, bei denen ich als Geburtstagskind selbstverständlich den Großteil zu gewinnen hatte, ein bisschen Kicken und schließlich Berge von Fleisch, Würstchen und Mohrenköpfen vertilgen. Damit war ich glücklich.

Mädchen sind da anders. Toni zum Beispiel erwähnte im April an ihrem Geburtstag mit keinem Wort, dass sie auch noch eine Feier mit Freunden zu veranstalten gedenke. Ich war froh, dachte ich doch, der Kelch des Kindergeburtstagsstresses ginge an mir vorüber. Aber das war natürlich naiv. Denn eines schönen Frühsommertages verkündete Toni: „Es ist nun an der Zeit, endlich meinen Geburtstag zu feiern.“

„Aber der ist doch schon lange vorbei“, wandte ich vorsichtig ein.
„Klar, aber wenn ich jetzt feiere, ist das, als hätte ich nochmal Geburtstag.“
Da hatte es natürlich Recht, das schlaue Kind. So viel Schlauheit muss belohnt werden. Ich beschloss, mich an Tonis Geburtstagsplanungen aktiv zu beteiligen:
„Was willst du denn machen? Ein paar Freundinnen einladen? Wettrennen und solche Sachen? Fußball spielen? Soll ich euch Berge von Fleisch grillen?“
„Bäh!“, rief Toni. „Fußball! Wettrennen!! Grillen!!! Nie im Leben.“

Das undankbare Gör war mit meinen Vorschlägen nicht einverstanden. Dafür hatte es eigene: „Ich lade fünf Freundinnen ein, und wir machen eine Pyjama-Party. Die Mädels kommen am Nachmittag, ihr kocht was Leckeres, bereitet eine Schnitzeljagd vor, dann will ich Topfschlagen – ja, Topfschlagen, das macht Spaß und nein, ich bin nicht zu alt dafür –, dann spielen wir Playstation Singstar, und zu guter Letzt quatschen wir bis mitten in die Nacht. Toll, oder?“

Ja, toll, dachte ich, und sah Aurélie bittend an. Sie würde solcherlei Unsinn selbstverständlich nicht unterstützen.
„Finde ich gut“, sagte Aurélie. „Das machen wir.“
„Halt“, rief ich. „Ich habe wohl gar kein Mitspracherecht in dieser Sache, oder wie?“
„Nö“, sagten die beiden.

Tja, und so kam es, dass an einem schönen Freitagnachmittag unser Haus von insgesamt sechs kreischenden Mädels bevölkert war. Sie waren sehr höflich, sogar untereinander, sagten Dinge wie: „Leute, Leute, Leute, darf ich euch mal kurz stören?“, aßen wie die Spatzen von der selbstgemachten Pizza, trällerten wie die Nachtigallen vor der Playstation und unterhielten sich lautstark bis tief in die Nacht wie präpubertäre Plaudertäschchen. Was sie natürlich auch sind.
Ein Wettrennen haben sie an beiden Tagen nicht veranstaltet. Und auch nicht Fußball gespielt. Ehrlich, Mädchen sind echt komisch.