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27.11.2009

Folge vom 27.11.09

Im schönen Stupferich steht eine Fußballhalle, die an dieser Stelle schon einmal Thema war. Damals ging es um etwas ganz wichtiges, nämlich um mich. Darum, wie ich mich im Zweikampf mit Kollegen an der Bande schier prügelte, wie ich elegant den Ball eng am Fuß führte, wie ich Traumtore schoss und meine Mannschaft souverän von Sieg zu Sieg führte.

Und vielleicht ging es auch ein bisschen darum, wie ich regelmäßig nach fünf Minuten pumpte wie ein Maikäfer, mich schier übergeben musste vor Anstrengung und sämtliche Muskeln zumachten angesichts der Strapazen auf dem harten Hallenboden. So war das damals.

Heute geht es nicht um mich, sondern um etwas nicht minder wichtiges. Es geht um Toni. Toni war zum Geburtstag ihrer Freundin Johanna eingeladen. Es war keiner dieser typischen Kindergeburtstage mit Topfschlagen, Mohrenkopfwettessen oder mädchenhaftem Rumgekichere, wie sonst üblich bei Zwölfjährigen. Nein, Johanna hatte in die Halle nach Stupferich geladen. Zum Fußballspiel.

Nun mag Toni Fußball. Jedenfalls ein bisschen. Sie steht auf den KSC, zumindest stand sie auf ihn, als der noch in der 1. Liga kickte. Mittlerweile geht sie auf Abstand. Ich kann das als Anhänger des SC Freiburg in der Sache zwar verstehen, halte derartiges Schönwetterfansein aber natürlich trotzdem für verwerflich.
Doch das prallt an dem Kind ab. Wenn ich sage: „Toni, du bist ein Schönwetterfan, ein Erfolgsmäuschen, das nur zum Verein steht, wenn der gewinnt. Das ist nicht gut, du musst auch zum KSC halten, wenn es mal nicht so läuft“, dann antwortet sie grundsätzlich sehr wortkarg: „Mir doch egal“, zickt sie in solchen Fällen, und wendet sich wieder ihrer aktuellen Lieblingsfernsehserie zu, den „Simpsons“.

Wo war ich? Ach ja, in der Fußballhalle, in der Toni anzutreten hatte, sich bewegen musste, rennen, beißen, Kunstgras fressen, alles, was moderne Trainer eben so empfehlen. Zweieinhalb Stunden dauerte das Spektakel, Aurélie und ich nutzten zunächst die Zeit, Samson in den herbstlichen Wäldern rund um Stupferich spazieren zu führen. Die letzte halbe Stunde der Geburtstagsfußballsause verbrachten wir in der Halle und sahen Toni zu.

Dazu muss man wissen, dass Johanna nur Mädchen eingeladen hatte. Na gut, und ihre beiden Brüder. Es war, wie es eben so ist, wenn Mädchen kicken: Alle rennen planlos in Richtung Ball und befördern selbigen per Spitzkick schlingernd über den Platz. Kein Genuss für Fußballästheten wie mich. Okay, zwei der Mädels waren richtig gut. Toni gehörte nicht dazu. Trotzdem gewann sie mit ihrem Team das letzte Match – und verhinderte damit, am Ende den letzten Platz zu belegen, wie sie lautstark jubelnd verkündete. Nach dem Jubel brach sie vor Erschöpfung fast zusammen und ließ sich hochroten Kopfes auf einer Bank nieder. Dort mussten ihre Freundinnen sie mittels Apfelsaftschorle und Schokomuffins mühsam wieder aufpäppeln.

Davon bekamen Aurélie und ich allerdings nicht mehr viel mit, wir hatten wichtigeres zu tun. Wir hatten nämlich einen Tischkicker entdeckt, den ich auf Aurélies Verlangen hin mehrfach mit Münzen fütterte. Wir drehten wie wild an den Stangen, wir schossen und jubelten und maulten – und am Ende war es, wie es wie immer ist: Der Besuch in der Fußballhalle zu Stupferich endete mit einer Erfolgsgeschichte meinerseits.