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26.03.2009

Folge vom 28.03.09

Böse Zungen behaupten, mein Leben bestünde nur noch aus Hund und Katz' und sonst interessiere ich mich für gar nichts mehr. Eine dieser bösen Zungen gehört Aurélie, die sich in schöner Regelmäßigkeit beschwert, dass sie von mir nicht die in einer Ehe angemessenen Aufmerksamkeiten erhält. Damit meint sie Sachen wie liebevolle Blicke, zärtliche Streicheleinheiten oder ähnlichen Quatsch.

„Wenn du ein schönes Fell hättest, würde ich dich auch streicheln“, habe ich neulich zu ihr gesagt, als sie mir ihr Ansinnen vortrug. Ich fand, das war ein witziger Spruch.

Sie nicht.

Tatsächlich ist es so, dass Samson, der Hund, und Luigi, der Kater, derzeit eine ausgesprochen wichtige Rolle im Leben der Familie Huberth spielen. Also auch in meinem.

Luigi zum Beispiel, das schwarze Teufelchen, hat mittlerweile zwei eigene Katzenklappen. Die eine führt von der warmen Wohnstube in den kalten Keller, die andere vom kalten Keller in den großen Garten, der in Wirklichkeit gar nicht groß ist, aber ich wollte die Reihe der Alliterationen weiterführen.

Luigi nutzt seine Klappen gern und oft. In Sekundenschnelle saust er vom Sofa in den Keller in den Garten und guckt sich dort neugierig um. Manchmal hält er sich ein paar Minuten dort auf, manchmal geht er direkt in Nachbars Garten und verrichtet dort seinen Stuhlgang, manchmal klettert er auf einem kleinen Baum herum, den zu besteigen ihm große Mühe bereitet, denn mit der Kletterei hat er noch so seine Probleme, der kleine Kerl.

Irgendwann verschwindet er schließlich aus unserem Blickfeld, keine Ahnung, wo er sich rumtreibt. Jedenfalls bis gestern. Da klingelte eine Nachbarin bei uns und sagte zu Aurélie: „Guten Tag, ich bin die Nachbarin.“

Die Nachbarin wohnt schräg gegenüber und teilte uns mit, dass unser Kater gerne mal bei ihr, ihrem Mann und ihrem Kater zu Gast sei. Dort stiefele er gemütlich durchs Haus und fresse dem eigenen Katzerich das Futter weg.

Aurélie bekam einen Schreck. „Ohohoooh“, sagte sie, „da muss ich um Entschuldigung bitten, das soll er natürlich nicht, ohohoooh.“

Doch die Nachbarin lächelte und sagte: „Nein, das macht doch nichts. Ihr Kater – wie heißt er denn? Luigi? Na, so ein schöner Name – ist ja ein ganz, ganz lieber Kerl. Und lässt sich so bereitwillig auf den Arm nehmen, ganz anders als unserer. Richtig verschmust, der Luigi, am liebsten würden wir ihn behalten, aber das geht natürlich nicht.“

Richtig, das geht natürlich nicht. Luigi gehört mir. Okay, er würde vermutlich sagen, er gehört keinem, aber noch braucht er mich zum Dosen öffnen. Und deshalb bin ich umso entrüsteter, dass der kleine Satansbraten fremdgeht, sich bei anderen Leuten einnistet und so tut, als bekäme er bei uns nix zu fressen. Was natürlich eine Lüge ist. In Wirklichkeit hat sich das immer noch zierliche Kerlchen sogar ein paar Speckröllchen zugelegt. Logisch, wenn es sich so durch die Nachbarschaft frisst.

Unserem Eheleben indes hat Luigis Ausflug gar nicht gut getan. Schließlich will ich nicht, dass er sich neue Dosenöffner sucht. Also streichle ich ihn allabendlich hingebungsvoll. Mit der anderen Hand widme ich mich Samson, weil der sonst eifersüchtig wird. Da ist leider keine Hand mehr frei für Aurélie.

Aber das muss sie nun wirklich verstehen. Immerhin ist sie die Große unter meinen kleinen Rackern.