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04.06.2010

Folge vom 29.05.10

Der Gedanke war so schön: Ein paar Wochen Reha, und dann geht das schöne Leben wieder los. Müßiggang, lecker Essen, Sport nur im Fernsehen – und mein Bandscheibenvorfall inklusive Operation ist nur noch eine verschwommene Erinnerung.

Ist aber leider nicht so. Selbst wenn ich mal kurz vergesse, dass die Bandscheibe böse gezuckt hat, erinnert mich mein Rücken nach ein paar Stunden des Sitzens vorm Computer wütend daran, dass es mal wieder an der Zeit wäre, meinen Hintern vom Stuhl zu erheben.

Das mache ich dann auch und wandere durch die Redaktionsstuben. Dort gehe ich den Kollegen auf die Nerven, die konzentriert arbeiten wollen, sich aber mein Bandscheibenablenkungsgeschwätz anhören müssen. Sollten Sie also derzeit Tuppfehler in der Zeitung entdecken, bin ich schuld.

Während mir die Redaktionsspaziergänge noch einigermaßen Freude bereiten, sieht es mit den anderen Folgeerscheinungen meines Rückenmalheurs ein wenig anders aus. Zum Beispiel mit dieser:

Zweimal die Woche gehe ich ins Fitnessstudio, das sich nicht Fitnessstudio nennt, sondern Zentrum für Medizinische Trainingstherapie, kurz und liebevoll: MTT.
Das MTT ist Teil jenes ambulanten Rehabilitationszentrums, in dem ich meinen Rücken drei Wochen lang gestählt hatte. Als anerkannter Reha-Patient – ich finde es sehr schön, endlich einmal anerkannt zu sein – habe ich das Recht, nach Beendigung der sogenannten Rehabilitationsmaßnahme zur Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit an einem Folgeprogramm teilzunehmen. Das Folgeprogramm nennt sich IRENA.

Das ist natürlich eine Abkürzung. Eine, bei der sich die abkürzenden Bürokraten etwas gedacht haben, schön griffig, kann sich jeder merken und Frauennamen kommen ohnehin gut. Tiernamen übrigens auch, wie wir spätestens seit dem Steuerprogramm „Elster“ wissen. Wahrscheinlich sitzen irgendwo in Bonn, in einem vergessen Büro ohne Fenster, lauter kleine, blasse Beamte und denken sich den ganzen Tag Abkürzungen aus, die sich das Volk merken kann. IRENA zum Beispiel steht für intensivierte Rehabilitationsnachsorge. Die logische Abkürzung wäre IRN gewesen. IRN. Wie klingt denn das? Total bescheuert. Gut, dass es dieses fensterlose Abkürzungserfindungsbüro in Bonn gibt. Was passiert, wenn Abkürzungen an Bonn vorbei ersonnen werden, sieht man ja am MTT. Im Abkürzungsbüro hätten sie das anders genannt. Metthe. Oder Metthie. Was Neckisches halt.

IRENA klingt also netter als MTT, ist es aber nicht. Denn intensivierte Rehabilitationsnachsorge heißt nichts anderes, als dass ich zweimal die Woche nach getaner Arbeit meinen Trainingsanzug überstreifen muss und ins MTT fahre, um IRENA zu machen. Oder anders: Ich quäle mich im Fitnessstudio an diversen Foltergeräten, oder, noch schlimmer, auf einer Gymnastikmatte, um Übungen für meine Rückenmuskulatur zu machen. Ich hasse das.
Und ja, ich weiß, das ist wichtig, das tut mir gut, das muss sein. Ich hasse es trotzdem.

Zum Glück umfasst IRENA nur 24 Termine. 13 habe ich schon, bald ist Schluss. Dann heißt es abends wieder: Müßiggang, lecker Essen, Sport nur im Fernsehen.
Dachte ich. Doch die MTT-Mitarbeiter haben mich darauf hingewiesen, dass ich auch nach IRENA weiter machen muss. Bis ans Ende meiner Tage. Ich weinte ein bisschen und murmelte: „IHD.“
„Wie bitte?“, sagte der MTT-Mann.
„Ich hasse das.“