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28.08.2009

Folge vom 29.08.09

So eine Krone ist nicht zu verachten. Mit Diamanten besetzt, in allen Farben des Regenbogens funkelnd, mit purpurfarbenem Samt verschönt passt sie wunderbar auf jedes königliche Haupt. Jedoch: So eine Krone hat ganz schön Gewicht, da muss König oder Königin schwer dran tragen.

Dann doch lieber eine andere Krone. Eine schwedische Krone. Nicht die von Königin Silvia, sondern die, die alle Schweden in der Tasche haben, selbst jene schwermütigen Kriminalkommissare, die seit Jahren unsere Buchhandlungen mit ihren Depressionen füllen.

So eine Krone liegt gut in der Hand, lässt sich angenehm tragen, im Geldbeutel, in der Hosentasche, wenn's sein muss auch mal als Notgroschen im Schuh.

Andererseits: Mit einer Krone kommt man wahrlich nicht weit. Die Schwedenwährung ist gerade mal neun Cent wert. Da braucht es viele Kronen, um auch nur einen Euro zusammenzubringen. Schon wird der Geldbeutel unerträglich schwer. Und wer bitte will Hunderte Kronenmünzen im Schuh tragen, damit der Notgroschen auch ja für ein Busticket reicht? Richtig, niemand will das. Niemals.

Es hilft also nichts: Wer allzeit nützliche Kronen will, muss zum Zahnarzt gehen. So wie ich.
Gestern war ich dort. Es war ein Termin mit langer Vorlaufzeit. Das eigentliche Drama hatte sich schon vor Wochen abgespielt, als mein Zahnarzt sich über mich beugte, in meinen offenen Mund starrte, den Kopf wiegte und sagte: „Mhm.“

Wenn Zahnärzte mhmen, dann ist das nie gut. Zahnärzte mhmen nur dann, wenn sie im Mund etwas entdeckt haben, was ihnen nicht nur nicht gefällt, sondern was obendrein mit gewissem Aufwand und erheblichen Kosten verbunden ist.

Findet ein Zahnarzt zum Beispiel Zahnsteinmassen, sagt er nur: „Oh.“ Entdeckt er ein Löchlein, murmelt er: „Tja.“ Bei zwei ausgewachsenen Löchern sagt er: „Ohje.“ Aber wenn er „Mhm“ macht, dann weiß der geschulte Patient, was die Stunde geschlagen hat.

Ich bin ein geschulter Patient, und so war ich nicht überrascht, als mein Zahnarzt nach seinem „Mhm“ weitersprach: „Ich fürchte, ich muss bei Ihnen bei zwei Zähnen Kronen einsetzen. Das ist mit gewissem Aufwand und erheblichen Kosten verbunden.“ Leider, leider, so sprach er weiter, würde die Krankenversicherung nur einen Teil der Behandlung bezahlen.

Das ist nicht schön, aber nicht zu ändern. Was auch für die Behandlung an sich gilt, die ich gestern über mich ergehen ließ. Erst zwei Spritzen – hinten links oben, hinten links unten – dann gefühlte 38 Bohraufsätze, die meine Zähne schliffen, aushöhlten und auf jede andere erdenkliche Art und Weise piesackten. Es folgten zwecks Zahnabdruckfertigung diverse grellfarbige, übelschmeckende Massen in meinem Mund und schließlich setzte mir mein Zahnarzt – der übrigens ein Guter ist – zwei provisorische Kronen ein, die nächste Woche von der endgültigen Version verdrängt werden. Nach der Behandlung verbrachte ich zwei Stunden damit, zu verhindern, dass mir der Sabber aus dem linken Mundwinkel läuft. Nach diesen Betäubungsspritzen ist man ja immer so schrecklich gefühllos.

Egal, von kommender Woche an habe ich jedenfalls zwei echte Kronen. Leicht zu tragen, wertvoll, bissfest. Wie eine Krone sein soll. Samt? Wer braucht schon Samt?