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30.04.2010

Folge vom 30.04.10

Deutsche Frauen stehen auf Exoten. Italienischer Machismo, französischer Charme, britische Noblesse – das ist es, was deutsche Frauen anzieht. Sie sind halt wie Kinder und wollen immer das haben, was sie gerade nicht kriegen können.

Andererseits haben sie gegenüber Kindern entscheidende Vorteile: Sie sind nicht abhängig von Eltern, meistens emanzipiert und verdienen ihr eigenes Geld, das sie dann in Schuhe, Lippenstift und Reisen nach Kuba investieren. Dort gönnen sie sich einen Schuss kaffeebrauner Exotik, ehe sie sich derart gestärkt wieder auf den Heimweg machen.

So ist das mit den Frauen.

Gut, dass ich schon glücklich verheiratet bin. Denn ich bin weder von kaffeebrauner Haut, noch besitze ich notwendiges Machotum, schleimigen Charme oder stelzige Noblesse. Ich bin einfach nur ein stinknormaler, übergewichtiger, deutscher Mann.

Fast: Im Zuge meiner post-operativen Rehabilitationsmaßnahme war ich jeden Tag früh am Morgen mit der Karlsruher Straßenbahn unterwegs, um zu jener stationären Einrichtung zu gelangen, die meinen Rücken zu stabilisieren sich vorgenommen hatte. Dort hatte ich viel Zeit, etwa dazu, mir komplizierte Satzkonstruktionen wie jene eben präsentierte auszudenken. Und dazu, meine Mitmenschen zu beobachten. Diese Beobachtung ergab ein überraschend eintöniges Ergebnis, das ich Ihnen im Folgenden gerne näherbringen möchte:

Alle kapseln sich via tragbarem Musikabspielgerät von der Außenwelt ab. Und alle trinken Kaffee. Bis vor kurzem geschah das meist aus Pappbechern, die in sogenannten „Coffee to go“-Shops ausgegeben werden, also in Kaffee-zum-Mitnehmen-Läden, wie man es auf Altdeutsch ausdrücken könnte. Doch das ist vorbei, die Pappkameraden sind zur Seltenheit geworden. In Zeiten der Finanzkrise besinnen sich die Menschen auf ihre eigenen Kaffeekochkünste und werfen morgens ihre 5000-Euro-Espresso-Cappuccino-Latte Macchiato-Bohnenkaffeemaschine an, die unter lautem Getöse die gewünschte Anzahl der braunen Tröpfchen herauspresst. Das erste Schlückchen gibt´s sofort, und der Rest wandert in ein Gefäß, das sich bereits auf dem Abstellplatz der Nostalgie wähnte und neuerdings eine wundersame Wiederauferstehung feiert: die Thermoskanne.

Da sitzen sie, die Lehramtsstudentinnen, die zukünftigen Maschinenbauer, die angehenden Abiturienten, die Sekretärinnen und Verkäuferinnen, Versicherungsmakler und Bankkaufleute, und alle schrauben an ihren Thermoskannen herum, gießen sich ein, trinken hier, nippen dort und das stets im Takte der aus dem Musikabspielgerät dröhnenden Töne.
Eine deutsche, einheitliche, straßenbahnfahrende, kopfnickende und kaffeesüffelnde Masse.

Nur ich bin anders.

Klar, auch ich habe ein Musikabspielgerät, dessen Kopfhörer in meinen Ohren stecken. Und vermutlich bewege ich meinen Kopf unbewusst wie ein Wackeldackel hin und her. Aber: Ich trinke keinen Kaffee. Weder aus Pappbechern noch aus Thermoskannen, noch aus Porzellantassen. Weder zu Hause noch im Café, nicht am Arbeitsplatz – und schon gar nicht in der Straßenbahn.

Was das bedeutet, ist offensichtlich: Ich bin ein Exot. Außergewöhnlicher als Italiener, Franzosen, Briten und Kubaner zusammen. Ein Typ mit dem Touch des Ungewöhnlichen, einer, auf den die Frauen abfahren.
Aber eben einer, der schon verheiratet ist. Die Besten sind halt immer vergeben. Deshalb, liebe Damen: auf nach Kuba.