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29.05.2009

Folge vom 30.05.09

Wir waren im Freizeitpark und es war eine große Pleite. Was nicht am Park lag. Dabei hatte alles so gut angefangen: Schon vor neun Uhr morgens waren wir unterwegs in Richtung Südbaden, was angesichts der morgendlichen Schlafmützigkeit meiner beiden Damen an ein Wunder grenzt.

Kater Luigi hatte sein Fressen bekommen, Rüde Samson lümmelte sich in seiner Kofferraumtransportbox und harrte der Dinge, die da kommen. Alles war friedlich. In Rust angekommen trafen wir meine Eltern, die übernahmen Samson, wir zogen los.

„Brauche ich eine Jacke?“, fragte Aurélie.
„Nein“, sagte ich, „heute wird es 25 Grad warm.“
„Jetzt ist es aber noch kühl, ich nehme eine mit. Toni, zieh' du bitte auch deine Jacke an, schließlich ist es im Moment sehr frisch.“
Ich verdrehte die Augen. Weiber! Dann schulterte ich den schweren Rucksack, der voller Proviant darauf wartete, meinen armen Rücken zu verbiegen. So strebten wir dem Eingang entgegen. Ich bremste abrupt ab und rief: „Scheiße!“

„Das sagt man nicht“, klugscheißerte Toni.
„Da hat sie recht“, ergänzte Aurélie.
Ich sagte nichts, sondern deutete hilflos auf die riesige Menschentraube, die sich vor den Kassen ausbreitete. Das war der Moment, in dem ich argwöhnte, dass wir nicht als Einzige an diesem herrlichen Ferientag auf die Idee gekommen waren, unsere Stunden im lieblichen Ambiente eines sauberen Freizeitparks zu verbringen.
„Ich glaube, wie sind nicht die Einzigen, die auf die Idee gekommen sind, diesen herrlichen Tag im lieblichen Ambiente eines sauberen Freizeitparks zu verbringen“, sagte ich.

„Mir egal“, rief Toni. „Ich will da jetzt rein.“
Und so geschah es auch – eine Stunde später.
Das mit der Stunde Wartezeit war im Grunde genommen gut. So konnten wir uns darauf einstimmen, was den Rest des Tages unser Dasein bestimmen würde: warten.

Wir warteten vor der Achterbahn im Dunkeln (45 Minuten), wir warteten vor der Wasserachterbahn (60 Minuten), wir warteten sogar vor der behäbigen Oldtimer-Tour auf Schienen (30 Minuten). Toni durfte sich im Oldtimer übrigens ans Steuer setzen. Das passte mir gar nicht, ich wäre lieber selbst gefahren. Doch die Kleine deutete auf all die anderen im Parcours fahrenden Autos. „Guck, überall lenken die Kinder. Willst du dich blamieren? Sicher nicht!“

Ekelhaft, wenn die lieben Kleinen recht haben.
Nach der Oldtimer-Fahrt (Tonis Fahrkünste sind übrigens unter aller Sau!) sagte Aurélie: „Pack' bitte meine Jacke ein, mir ist warm.“
„Mir auch“, sagte Toni und streckte mir ebenfalls ihre Jacke entgegen. Fortan war mein Rucksack noch schwerer.

Der Rest ist schnell erzählt: Wir standen etwa sechs von acht Parkstunden in diversen Warteschlangen, die wirklich spektakulären Fahrgeschäfte wurden von meinen beiden Feiglingen boykottiert, meine Eltern wollten Samson nicht zurückgeben und Luigi war am Abend stinksauer: „Stundenlang habt ihr mich allein gelassen“, maunzte er.
Ich nahm ihn in den Arm. „Weißt du“, sagte ich. „Manche Leute zahlen viel Geld, damit sie einen ganzen Tag lang warten dürfen. Du bekommst das umsonst. Also freu dich.“
Was er dann auch tat.