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29.08.2008

Folge vom 30.08.08

Der Sommer bringt es mit sich, dass allerlei Menschen allerlei Veranstaltungen unter freiem Himmel planen. Das ist wagemutig. Denn der deutsche Himmel neigt nicht unbedingt dazu, sich drei Monate lang ausschließlich in strahlendem Blau zu präsentieren, bestenfalls geschmückt von ein paar harmlosen Schäfchenwolken, die für ein wenig Abwechslung im blauen Firmament-Einerlei sorgen.

Im Gegenteil, mit bemerkenswerter Beständigkeit gibt sich der deutsche Himmel unbeständig. Mal in eben schon gewürdigtem Himmelblau. Mal leicht bewölkt, mal stark. Mal voller grauer Schleier, hinter denen sich die milde Bläue kaum hervorzulugen traut.

Und dann gibt es da noch jene Tage, an denen nichts ist, wie es im Sommer sein soll. Da toben dunkle Gebirge über uns, sausen am Himmel entlang, von Süd nach Nord, von Ost nach West und umgekehrt, wie übermütige Welpen kreiseln sie umher. Und werden – das unterscheidet sie von Welpen – dunkler, bis sie schwarz sind. Schließlich öffnen sie die Schleusen und lassen das Wasser laufen, unkontrolliert, heftig, wie und wo es ihnen gefällt (doch wieder Welpen!).

Wenn sie besonders lustig sind, die Wolken, wenn ihnen der Sinn nach drolligem Getöse steht, dann setzen sie noch einen drauf, lassen Blitze blitzen und Donner donnern, Hagel hageln und Stürme stürmen.

An solchen Tagen darf man sich getrost in seine gute Stube flüchten, darf sich aufs weiche Sofa setzen und die wilden Wetter voller Staunen von trockenen Gefilden aus ein Weilchen beobachten. In solchen Momenten ist es auch erlaubt, sich kurz zurückzulehnen, tief zu seufzen und voller Genugtuung in den stillen Wohnraum zu trompeten:
„Gut, dass ich kein Veranstalter von Open-Air-Konzerten bin.“

Natürlich trifft der Regen nicht nur den Macher, den Investor, denjenigen also, der hinterher das arme Schwein ist, das viel Geld verloren hat. Nein, es trifft auch potenzielle und wahrhaftige Besucher.
Wer sich auf einen lauschigen Abend im Freiluft-Kino freut, auf ein bisschen Knutschen unterm Sternenhimmel, wer einem Streichorchester vor festlicher Kulisse und im Freien zu lauschen im Begriff ist, und dann von Platzregen und Gewittern in den heimischen Gemächern gefangen gehalten wird, der wird der Wankelmütigkeit deutschen Wetters nur wenig Positives abgewinnen können.

Was mich nun zum Kern dieser kleinen Geschichte bringt: Aurélie und ich waren im Konzert. Grönemeyer, Sie wissen schon, der Barde mit der undeutlichen Artikulation. Wir mögen ihn trotzdem, vielleicht ja auch deswegen.

120 Kilometer waren wir angereist und immer wieder ging unser Blick sorgenvoll gen Himmel. Über uns war alles blau, ringsherum war alles grau. Ein Wolken-Dreiviertelkreis hatte sich gebildet, und er sah aus wie der Haarkranz auf meinem Kopf. Wir zitterten, wir bangten, wir hofften. Und wir hatten Glück: Der Regen setzte erst bei der letzten Zugabe ein. Wir wurden nass, aber wir waren froh. Und stolz, ein deutsches Open Air überstanden zu haben. War ein Klacks. Kindergeburtstag. Echt.
Es soll ja Weicheier geben, die ständig darüber nachdenken, dass das Wetter bei uns so wechselhaft ist und Open Airs für riskant halten.
Ehrlich, ich frage mich, was das für Warmduscher sind.