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03.10.2008

Folgen der Finanzkrise

Die vergangenen Monate waren aus Sicht von Banken und Börsianern grausig. So grausig, dass selbst mal vorübergehend steigende Aktienkurse Fondsmanager dazu verleiten, Entwarnung zu geben. Seit gut eineinhalb Jahren tobt nun eine weltweite Finanzkrise, die in den USA mit dem Zusammenbruch des Immobilienmarkts ihren Ausgang nahm. Anfangs hat die deutsche Politik die amerikanische Geldverpuffung nicht als Bedrohung wahrgenommen. Doch entgegen aller Beschwichtigungen hat sie den einfachen Steuerzahler längst erreicht.

Den ersten großen Schock registrierte die Geldbranche Ende Februar 2007. Damals mussten die Deutschen eine neue Vokabel lernen: „Subprime“. Subprime – damit umschreiben Finanzexperten Schuldner mit geringer Bonität. Und die standen selbst bei soliden Geldinstituten hoch im Kurs. Volkswirtschaftler warnten schon lange, dass eine daraus rasant wachsende Blase den Finanzjongleuren eines Tages um die Ohren fliege. Und so ist es ja auch gekommen.

Es bedarf also keiner Diskussion, dass sich Banken und Investmentgesellschaften selbst in die missliche Lage gebracht haben, in der sich nun viele von ihnen befinden. Ohne Rücksicht auf die Risiken, getrieben von einer mitunter hemmungslosen Profitgier, hatten sie sich einer Geschäftspolitik verschrieben, in der nur noch eine rasante Kapitalvermehrung und eine größtmögliche Rendite interessierten. Wer so handelt, wer also in guten Zeiten Risiko- und Verantwortungsbewusstsein ausklammert, hat eigentlich das Recht verwirkt, den Staat für die daraus entstanden Verluste in Mithaftung zu nehmen.

Nur stellt sich damit die Frage: Welche Folgen hat es für die Gesamtwirtschaft, wenn der Staat nicht bereit ist, die Verantwortung zu übernehmen, der sich die Investmentbanker fahrlässig versagt haben, als sie glaubten, auf Immobilien- und Wertpapiermärkten mit riskanten Spekulationen ein großes Rad drehen zu müssen – nicht um der Gesellschaft zu dienen, sondern dem eigenen Konto.
Letzteres aber wird zweitrangig, wenn abzuwägen gilt, was die Gesellschaft teurer kommt: die Rettung jener Geldhäuser oder aber die Pleite der ganzen Volkswirtschaft mit negativen Folgen für alle – Arbeitnehmer wie Unternehmer. Experten sprechen von der schlimmsten Krise seit der großen Depression der 1930er-Jahre. Eine bedrückende Perspektive, die es durchaus plausibel macht, abgestimmte Eingriffe von Politikern und Notenbanken einzufordern. Denn die historischen Erfahrungen der 30er-Jahre belegen eindrücklich, was geschehen kann, wenn Banken zusammenbrechen. Hier geht es nicht mehr ums Prinzip, sondern um die Frage: Wie lässt sich das Schlimmste verhindern? Und zwar nicht für die Banken, sondern für unsere gesamte Wirtschaft.