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21.11.2008

Folgen der Finanzkrise für den Klimaschutz

Es war ein Bild des Jammers, das die drei Herren boten: Wie begossene Pudel saßen die mächtigsten Auto-Manager der USA diese Woche vor dem Kongress – sie hatten um Finanzhilfe vom Staat gebettelt und wurden deshalb von den Politikern verhört. Das Ergebnis: Die Bosse haben nichts begriffen. Ihre Krise haben sie selbst verschuldet, mit Autos, die zu viel Sprit verbrauchen und sich deshalb kaum noch verkaufen. Zu teuer und zu schädlich für die Umwelt. Was aber machen die Vorstandschefs? Reisen alle drei mit eigenem Privatjet an und finden ihre Gehälter auf Nachfrage absolut angemessen.

Die Öko-Krise

Solche Menschen sitzen in vielen großen Wirtschaftszweigen an der Macht. Sie sind es auch, die inzwischen ganz ungeniert dafür werben, die Klimaschutzziele, die sich vor allem die westliche Welt politisch gesteckt hat, angesichts der Finanzkrise zur Nebensache zu erklären. Dahinter steckt fatales Gedankengut: Die alte, energieintensive, umweltverschmutzende Industrie will sich aus der Patsche helfen lassen, ohne dabei Verpflichtungen zu einem Kurswechsel eingehen zu müssen. Und sie verkennt weiter, dass klimafreundliches Handeln nicht nur moralische Pflicht ist, sondern langfristig auch handfesten Gewinn bedeutet.

Was Klimaschutz kostet und was er finanziell einbringt, hat die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erforscht. Das Ergebnis aller bisherigen Studien: Klima- und Umweltschutz sind durchaus bezahlbar und rechnen sich auch. Zudem bewegt sich die häufig beklagte Bremswirkung entsprechender Maßnahmen für das Wirtschaftswachstum laut OECD in einer Größenordnung, die beinahe zu vernachlässigen ist: Entschlossener Klimaschutz würde das Weltwirtschaftswachstum nur um 0,13 Prozent pro Jahr verringern. Gerade Deutschland hat einen guten Weg eingeschlagen. Hält sich die Regierung an ihren Klimaschutz-Plan, kann sie bis 2020 erstaunliche fünf Milliarden Euro einsparen – nach Abzug aller notwendigen Investitionen.

Doch die Verlockung ist groß, jetzt die Zügel schleifen zu lassen. Die Wirtschaft jammert und der Ölpreis sinkt. Schon rufen auch Politiker wie etwa Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) nach einem Aufschub des EU-Klimapakets, weil es zu teuer sei und weitere Arbeitsplätze gefährde.

Dabei ist das Gegenteil der Fall: Das Beispiel der Autoindustrie zeigt, was geschieht, wenn die Zukunft verschlafen wird. Wettbewerbsfähige Unternehmen mit sicheren Arbeitsplätzen wird es bald nur noch dort geben, wo die alte zu einer modernen Industrie wird – ausgerichtet an der Tatsache, dass Öl immer knapper wird. Jene Unternehmen, die den Wandel nicht hinbekommen, machen die Umwelt kaputt. Und sich selbst dabei auch.