nach oben
27.02.2009

Freisprüche im FCP-Prozess

Das Urteil im Berufungsprozess gegen ehemalige FCP-Funktionäre kam keineswegs überraschend. Schon zu Beginn des Verfahrens hatte der Richter klar gemacht, dass er wenig Gründe für eine Verurteilung sehe.

Gegen eine Bestrafung der Fußballfunktionäre sprach vor allem, dass die Rechtslage völlig unübersichtlich ist. Da urteilt ein Sozialgericht anders als ein Finanzgericht, da widersprechen sich Arbeitsrichter und Strafrichter. Der Begriff der „Unschärfe“ aus der Urteilsbegründung beschreibt das Phänomen treffend.
Fußballvereine, die nun meinen, sie könnten ihre Kicker künftig mit Freie-Mitarbeiter-Verträgen ausstatten und damit Geld sparen, seien aber gewarnt. Die Fachleute sind sich, allen widersprüchlichen Urteilen zum Trotz, einig, dass bezahlte Amateurfußballer im Normalfall wie Arbeitnehmer zu entlohnen sind – inklusive Sozialabgaben. Das räumte auch der Richter in Pforzheim ein. Doch für die Angeklagten sprach, dass sie im guten Glauben handelten, weil sie sich fachmännischen Rat von Rechtsanwälten und Steuerberaten eingeholt hatten.
Klug beraten war auch Richter Andreas Heidrich, das Verfahren aufzusplitten. Er ließ zunächst nur gegen das Präsidium Ernst Schmidt verhandeln. Ein Berufungsprozess gegen die Mitglieder des Nachfolgepräsidiums um Manuel Fernandez dürfte sich mit dem gestrigen Urteil erledigt haben.
Die Angeklagten können aufatmen. Teuer kann sie der Prozess dennoch zu stehen kommen. Zwar übernimmt der Staatskasse die Verfahrenskosten, doch die meisten Rechtsanwaltshonorare sind höher als die Gebühren, die der Staat erstattet. Und die Differenz bleibt, trotz Freispruch, an den Angeklagten hängen.