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15.12.2009

Fünf Jahre Hartz IV: Zynisch

Wenn ich groß bin, werd' ich mal Hartz IV. Rumhartzen. Total verharzt. Drei Beispiele aus der Alltagssprache, fünf Jahre nach der Einführung von Hartz IV, die deutlich machen, wie sehr diese Reform unsere Gesellschaft geprägt hat. Nicht zum Guten.

Hartz – das steht für: Abgestempelt sein und abgehängt, Unterschicht, Prekariat, Billigjobs und Existenzangst. So empfinden das jedenfalls die meisten Menschen in Deutschland. Die – zur Bundesagentur für Arbeit gehörende – Forschungseinrichtung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sieht das naturgemäß anders: Weniger Arbeitslosengeld-II-Bezieher habe die Reform hervorgebracht, weil der Anreiz, einen schlecht bezahlten Job anzunehmen, gestiegen sei.

„Wer sechs Euro in der Stunde verdient, ist zufriedener als jene, die in Hartz IV verbleiben“, sagt da ein Forscher und bemerkt gar nicht wie zynisch das in den Ohren vieler klingen muss. Hartz IV mag ein paar Menschen mehr in Lohn und Brot gebracht haben – oder war's doch die positive Konjunkturentwicklung? Aber um welchen Preis?

Die damit einhergehenden Niedriglohnjobs haben zwar so manches Unternehmen reich gemacht, gleichzeitig jedoch die Gesellschaft gespalten. Und noch etwas wurde zerstört: Der Glaube daran, dass wer den ganzen Tag schafft, davon auch leben können muss. Passé!

Übrigens: Erklärtes Ziel des Hartz-Konzeptes war es einmal, innerhalb von vier Jahren die Arbeitslosenzahl von vier Millionen zu halbieren. Dieses Ziel wurde eindeutig verfehlt. Im Grunde müssten also auch die IAB-Forscher eingestehen, dass Hartz IV gescheitert ist. Selbst nach ihren Kriterien.